Der „ampman classic“ von Hughes & Kettner

Messungen an der Endstufe

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Das zweite Kapitel des Artikels über den Hughes & Kettner Amp­Man widmet sich der Unter­suchung der End­stufe, das heißt des Teils im Signal­weg zwischen FX-Return und Laut­sprecher. 

TL;DR – das Fazit vorweg

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Zum „TL;DRbzw. zum vorgezogenen Ergebnis der Unter­suchung gehört eine hoffentlich aus­sage­kräf­tige Abb. 2.1 – der Versuch eines Über­sichts­schalt­plans der End­stufe: 

BlockschaltplanBlockschaltplan

Abb. 1.1: (Vermuteter) Block­schalt­plan des Hughes & Kettner ampman – End­stufe.  (Kopf­hörer­aus­gang, AUX-Eingang etc. werden nicht dargestellt.

Grenzen der Mess­genauig­keit

Auch zu den Messungen der End­stufe ein offenes Wort vorweg:  Das „Mess-Equipment“, das dem Autor zur Ver­fügung stand (Windows-PC mit Vorverstärker bzw. Vor­schalt­gerät, Sound­karte und Oszillos­kopen­soft­ware), ist für professionelle Tests nicht voll­ständig geeignet – bei den gemessenen Spannungen muss mit Mess­fehlern im Bereich von 5 % bis 10 % gerechnet werden (was bei den gemessenen Leistungen auf Mess­fehler im Bereich von 10 % bis 20 % hinaus­läuft). 

Abgesehen davon arbeitet die Sound­karte mit einer Ab­tast­frequenz von maxi­mal 192 kHz, was zur Be­ur­tei­lung von möglichen HF-Arte­fakten einer Class-D-End­stufe (mögliche PWM-Frequenz etwa 400 kHz) natür­lich zu wenig ist.  Des­wegen können zu den Arte­fakten nur grobe Unter­suchungen vorgenommen werden. 

Nun wieder zu den Ergebnissen: 

Begrenzungen

Bei den verschiedenen Messungen an der End­stufe wurden neben oder besser zwischen den beiden Volumen­reglern (Solo-Boost, Master­volumen) mehrere Begrenzungs­schaltungen gefunden, die im Folgenden kurz beschrieben werden sollen (siehe dazu auch den Über­sichts­plan der End­stufe in Abb. 2.1): 

Begrenzungen vor der eigent­lichen (Class-D*)-End­stufe: 

Diese Begrenzung ist der einer Röhren­endstufe nach­emp­funden – ihre Inten­si­tät folgt dem Eingangs­signal­pegel der End­stufe. Sie liegt vor dem Master­volumen­regler und kann also durch die den Eingangs­pegel der Endstufe be­ein­flusst werden (in etwa wie bei einem PPIMV hinter der Phasen­inverter­stufe). 

Soft­clip vor dem Master­volumen
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  250 mV / Div,
uA+:  1 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  250 mV / Div,
uA-:  1 V / Div
Begrenzungen nach dem Solo-Boost

Mit der Aktivierung des Solo-Boosts (per Fuß­schalter) werden eine ein­stell­bare Volumen­anhebung und eine Begrenzer­stufe hinter dem Eingang der End­stufe ein­ge­schleift.  Diese Begrenzung ist schon etwas härter und tritt bei Eingangs­pegeln (am FX-Return) von 1 V (bei voll aufgedrehtem Solo-Boost) bzw. von 2 V (bei heruntergedrehtem Solo-Boost) auf – man sollte also Pegel von mehr als 1 V Sinus Effektivwert vermeiden. 

Hard­clip hinter dem Solo-Boost
OszillogrammOszillogrammuE (gn): 1 V/Div,
uA+ (rt): 2 V/Div
LissajousfigurLissajousfiguruE (H): 1 V/Div,
uA+ (V): 1 V/Div
Begrenzungen am XLR-Aus­gang: 

Diese Begrenzungen sind die härtesten – wie auch im Datenblatt vermerkt, sollte man am Eingang der End­stufe (FX-Return) Pegel von mehr als 6 dBV (bzw. 2 Veff Sinus) vermeiden – bei voll aktiviertem Solo-Boost verringert sich der maxi­male Eingangs­pegel auf 0 dBV bzw. 1 Veff Sinus: 

Hard­clip am XLR-Ausgang – Eingangs­signal­pegel uE,sin = 2,2 V
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  1 V / Div,
uA- (rt):  0,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  1 V / Div,
uA+:   0,2 V / Div

Lineare Potentio­meter

Ein bisschen muss auch hier schon gemeckert werden – auch bei dem Master­volumen­regler der End­stufe handelt es sich um ein lineares Potentio­meter mit ent­sprechend ungünstiger Regel­charakte­ris­tik – auch wenn diese nicht zu so grund­sätzlichen Problemen führt wie in der Vor­stufe – wo es schwierig sein kann, die hohen Ausgangs­pegel und die u.U. deut­lichen Laut­stärke­unterschiede der beiden Kanäle aus­zu­regeln. 

HF-Artefakte

Bei der Unter­suchung der End­stufe wurde fest­ge­stellt, dass bei mehr oder weniger großer Aus­steuerung HF-Artefakte im Os­zil­lo­skop des Autors auf­tauchten (siehe die Os­zil­lo­gram­me in der folgenden Bilder­tabelle): 

Bilder­tabelle 2.1:  Oszillo­gramme der Ausgangs­signale der End­stufe des ampman beim Auf­treten von HF-Arte­fakten bei unterschiedlichen Wellenformen. 
Unbegrenztes Signal
Begrenztes Signal (Softclip)
OszillogrammOszillogramm (hor.):  0,2 ms / Div,
uA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-Figur (hor.):  0,2 ms / Div,
uA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div

Der Ausgangs­spannungs­hub, mit dem die Arte­fakte ein­setzen, konnte nicht genau spe­zi­fiziert werden (etwa zwischen ±25 V und ±35 V zwischen den beiden Aus­gängen der End­stufe in Brücken­schaltung); mit ge­rin­gerem Laut­sprecher­widerstand ist er eher geringer. 

Vorüberlegungen

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Bevor „los­gemessen“ wird, sind ein paar Über­legungen (und ein paar spezielle Kabel) notwendig. 

Angaben im Daten­blatt

Auch hier ein paar relevante Infor­mationen aus dem Daten­blatt des Gerätes – die Pegel am FX-Return und die Ausgangs­leistungen bei ver­schiedenen Laut­sprecher­wider­ständen. 

FX-Return

Klinken­buchse 6,3 mm; unsymmetrisch;  REing. = 20 kΩ

  • Sensitivity (Clean, alle Potis in Mittelstellung, Master in Maximalstellung):  −6 dBV bzw. 0,2 Vsin / 0,6 Vpp (Spitze-Spitze)

  • maxi­maler Level:  9 dBV bzw. 2,8 Vsin / 8 Vpp

Speaker-Out

Klinken­buchse 6,3 mm; Bridged-Mode; 4 Ω–16 Ω;

  • Ausgangs­leistung @ 4 Ω:  48 W
  • Ausgangs­leistung @ 8 Ω:  25 W
  • Ausgangs­leistung @16 Ω:  13 W

Sinnvolle und not­wendige Untersuchungen

Dynamischer Innen­wider­stand

Hier geht es um eine mög­liche Abhängig­keit der Ausgangs­spannung vom Laut­sprecher­widerstand – nicht die der Aussteuerungs­grenzen von der Last, sondern die Abhängig­keit der Ausgangs­spannung der End­stufe vom Last­wider­stand (bei gleicher Eingangs­spannung). 

Wenn sich die Verstärkung der End­stufe bei sich veränderndem Last­wider­stand eben­falls ändert, wird dieser Zusammen­hang als differen­tieller (oder „dynamischer“) Innen­wider­stand der End­stufe bezeichnet – die End­stufe betont dann die Frequenz­bereiche, in denen der Laut­sprecher eine hohe Impedanz hat (Bass- und andere Resonanzen sowie, wegen der Schwing­spulen­induk­tivi­tät, die Höhen)

Dynamischer Innen­wider­stand und „durch­wobbeln“

Weiterhin wird untersucht, ob sich mit einer „komplexen“, nicht-ohmschen Last ähnlich einem „echten“ Laut­sprecher (in Form eines reaktiven Dummy Loads) der Ausgangs­pegel über den Frequenzbereich ändert. 

Um das Ergebnis dieser Untersuchung vorwegzunehmen:  Die End­stufe mit Dummy Load wurde mit dem Tongenerator des Software­oszilloskopen „durchgewobbelt“ – der gesamte Frequenzbereich wurde durchlaufen – und keine wesentliche Veränderung der Ausgangs­spannung festgestellt. 

Der differen­tielle Ausgangs­widerstand der End­stufe ist dann wohl hinreichend klein – eher wie bei einer HiFi-End­stufe. 

Regelcharakteristiken

Außerdem müssen auch hier die Charakte­ristiken der beiden ausgangs­seitigen Volumen­regler (Solo-Boost und Master) über­prüft werden – ein lineares Potentio­meter könnte auch im Fall des Master­volumen­reglers eine un­prak­tische Regel­charakte­ristik zur Folge haben. 

Begrenzer­verhalten

Schließ­lich ist es sinn­voll, dass (quasi­statische) Über­steuerungs­verhalten zu unter­suchen – clippt nur die Class-D-Ends­tufe oder auch die Stufen davor, bleibt die Schaltung stabil, hängt die maxi­male Aus­steuerung von der Laut­sprecher­impedanz ab usw. 

Sicherheits­hinweis

Da bei einer End­stufe in Brücken­schaltung (anders ist eine so hohe Ausgangs­leistung bei einer eher geringen Betriebs­spannung gar nicht mög­lich) beide Ausgänge der End­stufe „Signal führen“, müssen auch beide „Pole“ des Aus­gangs gegen Kurz­schlüsse (zueinander und gegen Masse) isoliert werden.  Es ist also sinn­voll, die (Gehäuse der) Klinken­stecker des Laut­sprecher­kabels zu isolieren bzw. ab­zu­kleben. 

Weiter­hin wurden bei den im Folgenden beschriebenen Unter­suchungen die verwendeten Dummy Loads mit deut­lichem Sicherheits­abstand neben dem Tisch auf dem Teppich abgestellt, damit dessen Masse nicht mit anderen Geräten Verbindung hat – diese „Masse“ des Dummy Loads ist ja einer der beiden Aus­gänge des Ver­stärkers in Brücken­schaltung. 

Spezielle Kabel

Die Messungen an der End­stufe wurden an Last­wider­ständen anstelle eines Laut­sprechers (verschiedene selbst­gebaute Dummy Load, siehe hier) gemacht. 

Die Verbindung zwischen „ampman“ und Dummy Load er­folg­te über zwei Kabel – ein zwei­adriges Kabel mit Quer­schnitt 2 × 0,75 mm2 von Klinken­stecker auf passende Ader­end­hülsen – für die Verbindung von „ampman“ und Dummy Load – sowie ein zwei­adriges Kabel zu den Mess­geräten mit je einem in das Kabel ein­ge­setzten Wider­stand 4,7 kΩ (siehe die folgende Abb. 2.2): 

SchaltplanSchaltplan

Abb. 1.2: Mess­kabel zur Untersuchung der End­stufe in Brücken­schaltung des ampman an einem Dummy-Load – der Dummy-Load muss von der übrigen Schaltung völlig isoliert werden! 

Diese ein­ge­setzen Wider­stände sollen ledig­lich einen mög­lichen Kurz­schluss hinter dem Laut­sprecher­ausgang auf dem Bastel­tisch / dem Bread­board verhindern.  Bei einem Eingangs­widerstand von min­des­tens 1 MΩ des Vorschalt­gerätes zum Software­oszilloskops (dessen Eingangs­schaltung siehe hier) führt ein Vor­wider­stand 4,7 kΩ zu einem hier ver­nach­lässig­baren Mess­fehler von etwa 0,5 %.

Erste Messungen

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Einmal durchwobbeln

Mit einer komplexen Last als Lautsprecher (spezieller Dummy Load, der die frequenz­abhängige komplexe Impedanz einer Laut­sprecher­box nach­bildet) wurde der gesamte Audio­frequenz­bereich bei konstantem Eingangs­signal­pegel durchlaufen und die Signal­spannung am Laut­sprecher­ausgang gemessen.  Hier wurden keine Änderungen des Ausgangs­signal­pegels beob­achtet. 

Das heißt, dass die End­stufe des ampman keinen (künst­lich erhöhten) Ausgangs­widerstand aufweist. 

Ausgangsseitige Symmetrie

Die Spannungen an den beiden Polen des Laut­sprecher­ausgangs (der End­stufe in Brücken­schaltung) wurden – bei mäßiger Aus­steuerung – gemessen.  Die Pegel waren exakt gleich.  (Die unter­schied­lichen Spannungen, die hier u. a. in den Oszillo­grammen zu sehen sind, resul­tieren wahr­schein­lich aus den Tole­ran­zen der Bau­elemente in der Mess­elektronik – beim Tauschen der Mess­eingänge „wanderten die Fehler nicht mit“.

Messung der Ver­stärkung

Weiter­hin wurde die Verstärkung der End­stufe gemessen – für zwei Messungen (bei 99 Hz und 440 Hz) ergibt sich eine Ver­stärkung von etwa 32 (bzw. 24 dB) sowie mit aktiviertem maxi­malem Solo-Boost eine Verstärkung von knapp 67 (bzw. 37 dB – siehe die folgende Tabelle 2.1): 

Tabelle 2.1: Messung der Verstärkung der End­stufe des ampman.
Messung uE
[ V ]
uA
[ V ]
vu vu
[ dB ]
  99 Hz 0,1805,731,730
440 Hz 0,1364,432,030
440 Hz mit Solo-Boost0,1369,267,637

Damit ergibt sich für die Vollaussteuerung (25 V an 8 Ω) eine notwendige Eingangs­signal­spannung der Endstufe von etwa −7 dB, was im Wesent­lichen den Angaben im Daten­blatt entspricht:

\( \begin{eqnarray} u_{E,min} & = & \frac{1} { v_U } \cdot \sqrt{P_A \cdot Z_L } \\~\\ & = & \frac{1} { 32 } \cdot \sqrt{25 \cdot 8 \cdot \textrm{V}\cdot \textrm{A}\cdot \frac{\textrm{V}}{\textrm{A}} } \\~\\ & \approx & \frac{14{,}14} { 32 } \,\textrm{V} \\~\\ & \approx & 0{,}44 \,\textrm{V} \\~\\ & \approx & −7 \,\textrm{dBV} \tag{2.1}\end{eqnarray} \)

Charakteristiken von Solo-Boost- und Master­volumen-Potentiometer

Auch für die End­stufe des ampman wurden die Charakteristiken beider Lauts­tärke­potentio­meter (Solo-Boost und Master­volumen):  untersucht – für fünf verschiedene Einstellungen des jeweiligen Reglers wurde die Verstärkung der im linearen Bereich arbeitenden End­stufe gemessen: 

Tabelle 1.2: Verstärkung in Abhängigkeit von der Ein­stellung von Solo-Boost- und Master­volumen­regler. 
Ein­stellung
Poti
Poti Master Poti Solo-Boost
uA
[ V ]
DPoti
[ dB ]
uA
[ V ]
DPoti
[ dB ]
0 % 0,1 -43,8 5,9 -1,2
20 % 2,1 -17,3 7,8 1,1
50 % 6,6 -8,6 10,9 4,1
80 % 12,3 -2,0 12,9 5,6
100 %15,4 0 13,4 5,9
ohne Solo-Boost—  —  6,80

Bei beiden Potentio­metern scheint es sich um solche mit linearer Charakte­ristik zu handeln – was beim Solo-Boost-Reg­ler noch gut funk­tioniert, führt für den Master­volumen­regler zu einer nur ein­ge­schränkt brauch­baren Regel­charak­ter­is­tik, weil sich wesent­liche Veränderungen bei kleinen Laut­stärken auf den sehr kleinen Bereich bei fast zuge­dreh­tem Reg­ler kon­zen­trieren (siehe dazu auch das Dia­gramm in folgender Abb. 2.3). 

EXCEL-DiagrammEXCEL-Diagramm

Diagr. 1.3: Grob (mit vier Mess­punkten) gemessene Cha­rak­te­ristik von Master­volumen- und Solo-Boost-Regler.  Dar­stellung in logarith­mischer Skalie­rung – und die Charak­te­ristik eines idealen linearen und logarith­mischen Poten­tio­meters. 

Für den Solo-Boost-Regler ist die Verwendung eines linearen Potentio­meters völlig in Ordnung, wie Abb. 2.3 (roter gestrichelter Graph) auch zeigt. 

Phänomene an ohmscher Last

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Die ersten Messungen erfolgten an einem kleinen und „rein ohmschen“ Dummy Load – umschaltbar zwischen etwa 4 Ω und etwa 8 Ω (siehe hier). 

HF-Arte­fakte

Bei der Betrachtung der Mess­ergebnisse muss mit einem eher unschönen Mess­ergebnis begonnen werden – die End­stufe (in Class-D-Schaltung) kann bei Über­steuerung hässlich ver­zerren bzw. über­schwingen bzw. Anteile höherer Frequenzen ent­halten.  Die folgenden beiden Abbildungen zeigen zwei Oszillo­gramme der Ausgangs­signale der End­stufe bei leichter Über­steuerung – einmal ohne und einmal mit aktiviertem Solo-Boost

Bilder­tabelle 2.2:  Oszillo­gramme der Ausgangs­signale der End­stufe des ampman beim Auf­treten von HF-Arte­fakten.  440 Hz; Ohmsche Last. 
Solo-Boost off
Solo-Boost max.
Über­steuerung der End­stufe – Ausgangs­signale
OszillogrammOszillogramm (hor.):  0,2 ms / Div,
uA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-Figur (hor.):  0,2 ms / Div,
uA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div

Dabei wurde eigent­lich mit einer ziem­lich sauberen ohmschen Last gemessen, so dass für eine Filterung hinter den Ausgängen der End­stufe (LC-Filter auf ohmschen Widerstand) ideale Bedingungen vor­liegen müssten, um diese HF-Arte­fakte heraus­zu­filtern. 

In obiger Bilder­tabelle 2.2 zeigt sich, dass das Auf­treten von HF-Arte­fakten bei einem Ausgangs­spannungs­pegel von knapp 9 V gegen Masse bzw. bei etwa 17,5 V Ausgangs­differenz­spannung (bzw. bei etwa 20 W an 8 Ω) einsetzt, unab­hängig davon, ob der Solo-Boost davor das Sinus­signal bereits begrenzt hat oder nicht. 

Letztendlich stellt sich natürlich die Frage, was man von diesen HF-Arte­fakten hört – siehe dazu die Detailansicht einer der beiden obigen Oszillo­gramme in der folgenden Abb. 2.4

OszillogrammOszillogramm

Abb. 1.4: Ausschnitt aus dem rechts angeordneten Oszillo­gramm in Bilder­tabelle 2.2 – horizontale Skalierung von 0,2 ms pro Div. 

Zur Beurteilung der gezeigten HF-Arte­fakte in obigen Oszillo­grammen: 

Bei einer horizontalen Skalierung von 0,2 ms und etwa 15 „Über­schwingern“ pro Div könnte man auf eine Frequenz der HF-Arte­fakte von etwa 75 kHz schließen – aller­dings ist von PWM-Frequenzen zwischen 300 kHz und 1200 kHz und einer Abtast­frequenz im AD-Wand­ler der Sound­karte von 192 kHz auszugehen – was hier im Oszillo­gramm sichtbar ist, ist nur der Arte­fakt des Arte­faktes; mit einer Frequenz, die erst durch eine zu geringe Abtast­frequenz „entsteht“. 

Ungeachtet der genauen Frequenz bleibt natür­lich, dass solche HF-Arte­fakte ein Problem dar­stellen kön­nen, wenn sie über das (un­ge­schirmte) Laut­sprecher­kabel abgestrahlt werden. 

Versuch einer Paramet­ri­sie­rung

Natür­lich wurde versucht, dem Phänomen der HF-Arte­fakte auf den Grund zu gehen.  Hier muss zunächst gesagt werden, dass es sich bei einem Verstärker in Class-D-Schaltung nicht unbedingt um „Über­schwingen“ handelt, sondern wahr­schein­lich eher um mangel­hafte Filterung des Ausgangs­signals. 

Weiter­hin wurde be­ob­achtet, dass der Effekt lediglich bei relativ großen Aus­gangs­spannungen kurz vor der Voll­aus­steuerung auftritt.  Leider führte der Versuch, durch Messungen unter verschiedenen Bedingungen (unter­schied­liche Laut­sprecher­widerstände, unter­schied­lich stark begrenzte Signale) einen Zusammen­hang zwischen den ver­schiedenen Bedingungen und der Schwell­spannung, ab der die Arte­fakte auf­treten, zu keinem sinn­vollen Ergebnis – bzw. es ließ sich kaum ein Zusammen­hang mit den genannten Para­metern herstellen. 

Ins­ge­samt scheint die (temporäre) Ausgangs­spannung, mit der der Effekt einsetzt, mit größerem Laut­sprecher­widerstand (geringere Last) und mit der weicheren Über­steuerung vor der End­stufe zu steigen. 

Soft­clip

Weiterhin wurde ein spezielles (und nicht zwingend häss­liches) Verhalten bei der Unter­suchung des Solo-Boosts be­ob­achtet. 

Die End­stufe des Geräts (Eingang FX-Return) wurde mit einem Sinus­signal mit einer Ampli­tude von 0,5 Vsin beschickt und der Master­volumen­regler soweit auf­ge­dreht, dass noch gerade keine HF-Arte­fakte (siehe weiter oben) auf­traten.  Danach wurde der (maxi­male) Solo-Boost aktiviert und der Master­volumen­regler ent­sprechend nach­ge­regelt. 

Im letzteren Fall konnte eine weiche und leicht asymmetrische Signal­begrenzung an beiden Laut­sprecher­ausgängen des ampman be­ob­achtet werden (siehe die unteren beiden Oszillo­gramme in der folgenden Bilder­tabelle 2.3). 

Bilder­tabelle 2.3:  Oszillo­gramme der Ausgangs­signale der End­stufe des ampman kurz vor dem Auf­treten von HF-Arte­fakten; 440 Hz; Ohmsche Last. 
uA+
uA-
Solo-Boost off; fast volle Aussteuerung – uA,pp ≈ 35 V
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  250 mV / Div,
uA+:  1 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  250 mV / Div,
uA-:  1 V / Div
Solo-Boost max.; fast volle Aussteuerung – uA,pp ≈ 35 V
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  250 mV / Div,
uA+:  1 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  250 mV / Div,
uA-:  1 V / Div

Es muss aber darauf hin­ge­wiesen werden, dass hier nicht „der Solo-Boost“ weich über­steuert (der tut das wesent­lich härter und bei wesent­lich größeren Signal­pegeln; siehe hier), sondern durch den aktivierten Solo-Boost und das anschließend zurück­gedrehte Master­volumen wird eine Schaltungs­ein­heit da­zwischen weich und asymmetrisch über­steuert. 

Messungen an einer komplexen Last

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Um die Probleme mit der Abgabe von hoch­frequenten Signal­anteilen (HF-Arte­fakten) durch die eigent­liche End­stufe nicht an der Realität vorbei­zu­testen (der Lautsprecher ist kein rein ohmscher Widerstand), wurde als Dummy Load eine komplexe Last – ein aus einem alten Groove-Tubes-Ver­stärker ent­nommener Dummy Load (Schaltung siehe hier) ver­wendet. 

Über­steuerung der Solo-Boost-Stufe allein

Die Solo-Boost-Stufe, bestehend aus einer leichten Pegel­anhebung (regel­bar; bis zu 6 dB) und einer darauf­folgenden Hard­clip-Stufe, kann über einen Fußschalter in den Signal­weg ein­ge­schleift werden. 

Die folgende Abb. 2.5 zeigt in etwa das Prinzip der ent­sprechenden Messung: 

BlockschaltplanBlockschaltplan

Abb. 1.5: Schematische Darstellung der Messung „Über­steuerung der Solo-Boost-Stufe allein“ anhand des (vermuteten) Block­schalt­plans des Hughes & Kettner ampman – End­stufe. 

Die Hard­clip-Stufe über­steuert erst bei relativ hohen Eingangs­signal­pegeln; die End­stufe (Eingang FX-Return) musste dazu mit einem Sig­nal von knapp 2 Veff an­ge­steuert werden.  Damit bei solch hohen Pegeln wirk­lich nur die Solo-Boost-Stufe über­steuert, wurden die Volumen­änderungen bei den unter­schied­lichen Ein­stellungen des Solo-Boost-Reglers bzw. der de­ak­ti­vierte Solo-Boost über den Master­volumen­regler so aus­ge­glichen, dass das Ausgangs­signal eine relativ un­ver­änder­liche Spitze-Spitze-Spannung von etwa 20 V erreichte (etwa 10 V für beide Ausgänge der End­stufe in Brücken­schaltung). 

Bilder­tabelle 2.4:  Ausgangs­signale im linearen Betrieb der End­stufe – unter­schied­lichem Ein­stellungen des Solo-Boost-Reglers werden durch den Master­volumen­regler zu gleichem Ausgangs­spannungs­hub ausgeglichen (uE,sin ≈ 1,9 V); Komplexe Last. 
Oszillo­gramme
Lissajous-Figuren uA+
Lissajous-Figuren uA-
Solo-Boost off
OszillogrammOszillogrammuE (gn): 1 V/Div,
uA+ (rt): 2 V/Div
LissajousfigurLissajousfiguruE (H): 1 V/Div,
uA+ (V): 1 V/Div
LissajousfigurLissajousfiguruE (H): 1 V/Div,
uA- (V): 1 V/Div
Solo-Boost 0 %
OszillogrammOszillogrammuE (gn): 1 V/Div,
uA+ (rt): 2 V/Div
LissajousfigurLissajousfiguruE (H): 1 V/Div,
uA+ (V): 1 V/Div
LissajousfigurLissajousfiguruE (H): 1 V/Div,
uA- (V): 1 V/Div
Solo-Boost 50 %
OszillogrammOszillogrammuE (gn): 1 V/Div,
uA+ (rt): 2 V/Div
LissajousfigurLissajousfiguruE (H): 1 V/Div,
uA+ (V): 1 V/Div
LissajousfigurLissajousfiguruE (H): 1 V/Div,
uA- (V): 1 V/Div
Solo-Boost max.
OszillogrammOszillogrammuE (gn): 1 V/Div,
uA+ (rt): 2 V/Div
LissajousfigurLissajousfiguruE (H): 1 V/Div,
uA+ (V): 1 V/Div
LissajousfigurLissajousfiguruE (H): 1 V/Div,
uA- (V): 1 V/Div

Es zeigt sich, dass mit dem Solo-Boost eine eher harte und sym­metrische Be­gren­zung des Signals erfolgt, wenn auch bei sehr hohen Eingangs­pegeln – schließ­lich sind hier Signal­pegel von etwa 1 Vsin (maxi­maler Solo-Boost) bis etwa 2 Vsin (mini­maler Solo-Boost) not­wendig, um diese Begrenzung zu erzwingen. 

Endstufenbegrenzung bei Solo-Boost 0 % bis 100 %

Nun wurde unter­sucht, inwie­weit der der Solo-Boost-Regler bei geringerem Pegel (ohne Über­steuerung der eigent­lichen Solo-Boost-Stufe) die Über­steuerungs­charak­teristik der gesamten End­stufe beein­flussen – siehe auch die folgende Abb. 2.6

BlockschaltplanBlockschaltplan

Abb. 1.6: Schematische Darstellung der Messung „End­stufen­begrenzung bei Solo-Boost 0 % bis 100 %“ anhand des (vermuteten) Block­schalt­plans des Hughes & Kettner ampman – End­stufe. 

Die nach­folgende Tabelle 2.3 fasst die gemessenen Ergeb­nisse zusammen, bedarf einer kurzen Erläu­te­rung: 

Bestimmung maxi­male Aussteuerung: 

Mit einem Signal­pegel von etwa 0,58 Vsin am FX-Return und ver­schiedenen Ein­stellungen für den Solo-Boost und den Solo-Boost-Regler wird die maxi­mal mögliche Aussteuerung der End­stufe (dem Auf­treten von hoch­frequenten Störungen) ermittelt und dann Oszillo­gramme und Lissajous-Figuren aufgenommen. 

Bestimmung Verstärkung: 

Der Eingangs­signal­pegel wird um etwa 10 dB auf etwa 0,18 Vsin gesenkt und anhand der Ausgangs­spannung des unverzerrten Signals die Verstärkung ermittelt. 

Nun die Tabelle selbst mit den gemessenen Werten: 

Tabelle 1.3: Maxi­male Ausgangs­spannungen kurz vor dem Auftreten von HF-Arte­fakten bei unter­schied­lichen Ein­stellungen des Solo-Boost-Reglers und angepasster Ein­stellung des Master­volumen­reglers.  Komplexe Last. 
Solo-Boost Soft­clip
uE = 0,58 V
kS clean
uE = 0,18 V
uA,sin
[ V ]
uA,pp
[ V ]
uA
[ V ]
vU
ohne13,936,01,322,4913,6
0 %13,636,31,362,4213,3
20 %14,336,51,192,7915,3
50 %17,936,31,013,2617,9
80 %19 35,80,943,4619
100 %19,634,60,883,5719,6

Ins­besondere die Lissajous-Figuren in der folgenden Bilder­tabelle 2.5 zeigen eine weiche und leicht asym­metrische Be­grenzung.  Die harte Be­grenzung durch den Solo-Boost wird bei den verwendeten Signal­pegeln nicht wirksam – sie setzt erst bei Eingangs­signal­pegeln um 2 Vsin ein. 

Bilder­tabelle 2.5:  Ausgangs­signale kurz vor dem Auftreten von HF-Arte­fakten bei unter­schied­lichem Ein­stellungen des Solo-Boost-Reglers (uE,sin ≈ 580 mV); Komplexe Last. 
Oszillo­gramme
uA+ und uA−
Lissajous-Figuren
uA+ vs. uE
Solo-Boost aus; uA,pp = 36,0; kS = 1,32
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,25 V / Div,
uA-:  1 V / Div
Solo-Boost 0 %; uA,pp = 36,3; kS = 1,36
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,25 V / Div,
uA-:  1 V / Div
Solo-Boost 20 %; uA,pp = 36,5; kS = 1,91
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,25 V / Div,
uA-:  1 V / Div
Solo-Boost 50 %; uA,pp = 36,3; kS = 1,01
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,25 V / Div,
uA-:  1 V / Div
Solo-Boost 80 %; uA,pp = 35,8; kS = 0,94
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,25 V / Div,
uA-:  1 V / Div
Solo-Boost 100 %; uA,pp = 34,6; kS = 0,88
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,25 V / Div,
uA-:  1 V / Div

Pegelabhängige Begrenzung ohne Solo-Boost

Im Anschluss wurde der Solo-Boost vollständig aus dem Signalweg genommen, um nur den Soft­clip genauer unter­suchen zu können: 

BlockschaltplanBlockschaltplan

Abb. 1.7: Schematische Dar­stellung der Messung „Pegel­abhängige Begrenzung ohne Solo-Boost“ anhand des (vermuteten) Block­schalt­plans des Hughes & Kettner ampman – End­stufe. 

Auch hier wurde die End­stufe in die (weiche) Be­grenzung getrieben – ohne aktivierten Solo-Boost.  Der maxi­male Eingangs­signal­pegel von 2,9 Vsin ent­spricht der im Daten­blatt angegebenen maxi­malen Ansteuerung am FX-Return von 9 dBV. 

Der Soft­clip setzt bei gegebener Ein­stellung des Master­volumen­reglers bei Ausgangs­spannung über 10 Vsin ein. 

Tabelle 1.4: Ausgangs­spannungen bei Über­steuerung der Clippstufe vor der Class-D-End­stufe; Mess­bedingungen: Mess­frequenz 440 Hz, Solo-Boost aus, Master­volumen­regler 40 %, (maxi­maler Pegel vor dem Autreten von HF-Arte­fakten); Eingangs­signal­pegel von ≈0,7 V bis ≈3 V.  Komplexe Last. 
uE
[ V ]
uA,sin
[ V ]
uA,pp
[ V ]
kS Anmerkgn.
0,68 6,217,71,43clean
0,89 8,122,81,41clean
1,1910,528,81,37Beginn Soft­clip
1,612,932,61,26Beginn Soft­clip
2,214,335,21,23Soft­clip
2,915,536,71,18Soft­clip

Dazu in der folgenden Bilder­tabelle 2.6 bestätigt die in der obigen Tabelle aufgelisteten Ergeb­nisse: 

Bilder­tabelle 2.6:  Über­steuerungs­verhalten der Clippstufe vor der Class-D-End­stufe; Mess­frequenz 440 Hz, Solo-Boost aus, Master­volumen­regler 40 %, (maxi­maler Master vor dem Auftreten von HF-Arte­fakten) Eingangs­signal­pegel von ≈0,7 V bis ≈3 V.  Komplexe Last. 
Oszillo­gramme
uA+ und uA−
Lissajous-Figuren
uA+ vs. uE
uE = 0,68 Vsin; uA,pp = 17,7; kS = 1,43
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,25 V / Div,
uA-:   1 V / Div
uE = 0,89 Vsin; uA,pp = 22,8; kS = 1,41
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,5 V / Div,
uA-:   1 V / Div
uE = 1,19 Vsin; uA,pp = 28,8; kS = 1,37
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,5 V / Div,
uA-:   1 V / Div
uE = 1,6 Vsin; uA,pp = 32,6; kS = 1,26
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:   1 V / Div,
uA-:   1 V / Div
uE = 2,2 Vsin; uA,pp = 35,2; kS = 1,23
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  1 V / Div,
uA-:   1 V / Div
uE = 2,9 Vsin; uA,pp = 36,7; kS = 1,18
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  1 V / Div,
uA-:   1 V / Div

Pegelabhängige Begrenzung mit Solo-Boost

Das letzte Experiment wurde noch einmal mit aktiviertem Solo-Boost wieder­holt – um die dadurch um etwa 6 dB gestiegene Ver­stärkung aus­zu­gleichen, wurde der (weit­gehend lineare) Master­volumen­regler von Ein­stellung 40 % auf Ein­stellung 20 % „herunter­gedreht“: 

BlockschaltplanBlockschaltplan

Abb. 1.8: Schematische Dar­stellung der Messung „Pegel­abhängige Begrenzung ohne Solo-Boost“ anhand des (vermuteten) Block­schalt­plans des Hughes & Kettner ampman – End­stufe. 

Auch hier setzt der Hard­clip bei einem Aus­gangs­spannungs­hub von etwa 10 Vsin ein.

Tabelle 1.5: Aus­gangs­spannungen bei Über­steuerung der Clipp­stufe vor der Class-D-End­stufe; Mess­bedingungen: Mess­frequenz 440 Hz, Solo-Boost max., Master­volumen­regler 20 %, Ein­gangs­signal­pegel von ≈0,7 V bis ≈3 V.  Komplexe Last. 
uE
[ V ]
uA,sin
[ V ]
uA,pp
[ V ]
kS Anmerkgn.
0,68 6,318,01,43
0,89 8,223,21,41
1,210,327,21,32Beginn Hardclip
1,611,528,41,23Hardclip
2,212,229,01,19Hardclip
2,912,729,31,15Hardclip

Hier kann es eher nicht zur weichen Be­grenzer­kennlinie kommen, da das zum Teil schon recht hoch­pegelige Ein­gangs­sig­nal schon vorher am aktivierten Solo-Boost hart begrenzt wird: 

Bilder­tabelle 2.7:  Über­steuerungs­verhalten der Clipp­stufe vor der Class-D-End­stufe; Mess­bedingungen: Mess­frequenz 440 Hz, Solo-Boost max., Master­volumen­regler 20 %, Ein­gangs­signal­pegel von ≈0,7 V bis ≈3 V.  Komplexe Last. 
Oszillo­gramme
uA+ und uA−
Lissajous-Figuren
uA+ vs. uE
uE,sin = 0,68 V; uA,pp = 18,0; kS = 1,43
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,5 V / Div,
uA-:   1 V / Div
uE,sin = 0,89 V; uA,pp = 23,2; kS = 1,41
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,5 V / Div,
uA-:   1 V / Div
uE,sin = 1,2 V; uA,pp = 27,2; kS = 1,32
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,5 V / Div,
uA-:   1 V / Div
uE,sin = 1,6 V; uA,pp = 28,4; kS = 1,23
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,5 V / Div,
uA-:   1 V / Div
uE,sin = 2,2 V; uA,pp = 29,0; kS = 1,19
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  1 V / Div,
uA-:   1 V / Div
uE,sin = 2,9 V; uA,pp = 29,3; kS = 1,15
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  1 V / Div,
uA-:   1 V / Div

Fazit Pegelabhängige Begrenzung mit Solo-Boost

Als Fazit der beiden letzten Mess­serien (pegel­abhängige Begrenzung mit Solo-Boost und ohne Solo-Boost) lassen sich drei verschiedene Schlüsse ziehen: 

Vermeidung von HF-Arte­fakten

Mit dem Master­volumen­regler hinter dem Soft­clip lässt sich das Auftreten von HF-Arte­fakten theoretisch(!) vermeiden – mit der Schwierigkeit, die passende Ein­stellung des Master­volumen­reglers zu finden, und dem Preis, dass die Endstufe nicht nur weich, sondern auch früh „soft­clipt“, also die ver­sprochene maximale Aus­gangs­leistung voll­ständig unverzerrt nicht erreicht wird. 

Begrenzung nach dem Solo-Boost

Mit der Aktivierung des Solo-Boost wird hinter der eigent­lichen Volumen­erhöhung ein symmetrischer Hard­clip ein­ge­fügt, der aber erst bei sehr großen Ein­gangs­signal­pegeln wirk­sam wird. 

Asymmetrische Begrenzung

Außer­dem existiert im Signal­weg eine weiter Pegel­begren­zung für jeden Zweig der End­stufe in Brücken­schaltung.  Sie ist deut­lich weicher und jeweils leicht asymmetrisch.  Man könnte sagen, diese Begrenzung bil­det die Über­steuerungen des Phasen­inverters in einer Gegen­takt-Röhren­end­stufe nach. 

Über­steuerung mit festem Master­volumen

Kapitelinhalt:[  Überspringen ]

Nachdem in den vor­herigen Unter­suchungen zum Über­steue­rungs­verhalten der End­stufe des a­mpman darauf geachtet wurde, den Master­volumen­regler immer gerade so ein­zu­stellen, dass am Aus­gang keine HF-Arte­fakte auftreten, folgen drei Mess­reihen mit fest ein­ge­stell­tem Master­volumen­regler. 

Das schließt die Mög­lich­keit ein, dass die eigent­liche Class-D-End­stufe selbst clippt oder, wie bereits be­ob­achtet, HF-Arte­fakte erzeugt. 

Festes Master­volumen 100 %

BlockschaltplanBlockschaltplan

Abb. 1.9: Schematische Darstellung der Messung „Festes Master­volumen 100 %“ anhand des (vermuteten) Block­schalt­plans des Hughes & Kettner ampman – End­stufe. 

Begonnen wurde mit einem voll auf­ge­dreh­tem Master­volumen­regler (bei deaktiviertem Solo-Boost) und verschiedenen Eingangs­signal­pegeln – „ohne Rücksicht auf Ver­luste“ bzw. auf mögliche HF-Arte­fakte. 

Die folgende Tabelle 2.6 zeigt, dass sich ein maxi­maler Aus­gangs­spannungs­hub von (hier gemessen) knapp 40 V einstellt.  Erreicht oder über­schreitet das Aus­gangs­signal den Bereich unter dieser Aus­gangs­spannungs­grenze, so treten auch HF-Arte­fakte auf. 

Tabelle 1.6: Aus­gangs­spannungen bei Über­steuerung der Class-D-End­stufe; Mess­bedingungen: Mess­frequenz 440 Hz, Solo-Boost aus, Master­volumen­regler 100 %, Ein­gangs­signal­pegel von 0,22 V bis 3 V.  Komplexe Last. 
uE
[ V ]
uA,sin
[ V ]
uA,pp
[ V ]
kS Anmerkgn.
0,22 7,120,51,44
0,30 9,527,21,43
0,4012,337,21,51
0,5315,039,81,33HF,
Hardclip
0,7116,239,81,23HF,
Hardclip
0,9316,839,81,18HF,
Hardclip
1,2717,439,81,14HF,
Hardclip
1,717,839,81,12HF,
Hardclip
2,318,139,8 1,1HF,
Hardclip
3,018,339,81,09HF,
Hardclip,
AP-Drift

Die Screenshots in Bilder­tabelle 2.8 bestätigen das erst einmal – die letzte Messung weist aber noch auf ein weiteres Detail hin: 

Bilder­tabelle 2.8:  Über­steuerungs­verhalten der Class-D-End­stufe; Mess­bedingungen: Mess­frequenz 440 Hz, Solo-Boost aus, Master­volumen­regler 100 %, Eingangs­signal­pegel von 0,22 V bis 3 V. 
Oszillo­gramme
uA+ und uA−
Lissajous-Figuren
uA+ vs. uE
uE = 0,22 Vsin; uA,pp = 20,5 V; kS = 1,44
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,1 V / Div,
uA+:   1 V / Div
uE = 0,30 Vsin; uA,pp = 27,2 V; kS = 1,43
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,1 V / Div,
uA+:   1 V / Div
uE = 0,40 Vsin; uA,pp = 37,2 V; kS = 1,51
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,2 V / Div,
uA+:   1 V / Div
uE = 0,53 Vsin; uA,pp = 39,8 V; kS = 1,33
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,25 V / Div,
uA+:   1 V / Div
uE = 0,71 Vsin; uA,pp = 39,8 V; kS = 1,23
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,25 V / Div,
uA+:   1 V / Div
uE = 0,93 Vsin; uA,pp = 39,8 V; kS = 1,18
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,5 V / Div,
uA+:   1 V / Div
uE = 1,27 Vsin; uA,pp = 39,8 V; kS = 1,14
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,5 V / Div,
uA+:   1 V / Div
uE = 1,7 Vsin; uA,pp = 39,8 V; kS = 1,12
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,5 V / Div,
uA+:   1 V / Div
uE = 2,3 Vsin uA,pp = 39,8 V; kS = 1,1;
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  1 V / Div,
uA+:   1 V / Div
uE = 3,0 Vsin; uA,pp = 39,8 V; kS = 1,09
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  1 V / Div,
uA+:   1 V / Div

Bei starker Über­steuerung (der Ein­gangs­signal­pegel liegt mit 3,0 Vsin schon oberhalb der Spezi­fi­ka­tionen von maxi­mal +9 dBV) treten Arbeits­punkt­ver­schiebungen auf – in jeder der beiden End­stufen­hälften (der End­stufe in Brücken­schaltung) wird das zu große (posi­tive oder nega­tive) Ein­gangs­signal nach Durch­laufen des oberen Maximums so zur Null hin ver­schoben, dass Teile der fallenden Flanke (Spannung zum Null­punkt hin) des Ein­gangs­signals mehr oder weniger sauber verstärkt werden können, die nächste steigende Flanke (Spannung vom Null­punkt weg) aber umso steiler in Clip­ping fährt. 

Festes Master­volumen 50 %

BlockschaltplanBlockschaltplan

Abb. 1.10: Schematische Darstellung der Messung „Festes Master­volumen 50 %“ anhand des (vermuteten) Block­schalt­plans des Hughes & Kettner ampman – End­stufe. 

Anschließend wurde die obige Mess­reihe mit einem „mittig“ ein­ge­stellten Master­volumen­regler (und weiter­hin de­ak­ti­vier­tem Solo-Boost) fortgesetzt.  Die Ein­gangs­signal­pegel wurden nur soweit erhöht, dass die die End­stufe gerade in den kritischen Zustand kommt, HF-Arte­fakte zu erzeugen, und nur soweit verringert, dass die End­stufe erkennbar linear arbeitet. 

Zunächst die Tabelle mit den gemessenen und berechneten Werten.  Die Aus­gangs­spannung Spitze-Spitze (und damit auch der Crest-Faktor) für die größte Ein­gangs­signal­spannung uE = 2,2 V ist zu groß – hier hat die Oszillo­skopen-Soft­ware die HF-Arte­fakte mit gemessen. 

Tabelle 1.7: Aus­gangs­spannungen bei Über­steuerung der Class-D-End­stufe; Mess­bedingungen: Mess­frequenz 440 Hz, Solo-Boost aus, Master­volumen­regler 50 %, Ein­gangs­signal­pegel von ≈0,5 V bis ≈2 V.  Komplexe Last. 
uE
[ V ]
uA,sin
[ V ]
uA,pp
[ V ]
kS Anmerkgn.
0,51 6,8 19,3 1,46
0,68 8,9 24,8 1,40
0,89 10,9 29,3 1,34
1,22 12,9 32,7 1,27
1,6 14,4 34,9 1,21
1,9 15,1 36 1,16
2,215,537,21,20HF-Artefakte: uA & kS zu groß
Bilder­tabelle 2.9:  Über­steuerungs­verhalten der Class-D-End­stufe; Mess­be­din­gun­gen: Mess­frequenz 440 Hz, Solo-Boost aus, Master­volumen­regler 50 %, Ein­gangs­signal­pegel von 0,22 V bis 3 V. 
Oszillo­gramme
uA+ und uA−
Lissajous-Figuren
uA+ vs. uE
uE = 0,51 Vsin; uA,pp = 19,8 V; kS = 1,46
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,25 V / Div,
uA+:   1 V / Div
uE = 0,68 Vsin; uA,pp = 24,7 V; kS = 1,40
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,25 V / Div,
uA+:   1 V / Div
uE = 0,89 Vsin; uA,pp = 29,3 V; kS = 1,34
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,5 V / Div,
uA+:   1 V / Div
uE = 1,22 Vsin; uA,pp = 32,7 V; kS = 1,27
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,5 V / Div,
uA+:   1 V / Div
uE = 1,6 Vsin; uA,pp = 34,9 V; kS = 1,21
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,5 V / Div,
uA+:   1 V / Div
uE = 1,9 Vsin; uA,pp = 34,9 V; kS = 1,16
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  1 V / Div,
uA+:   1 V / Div
uE = 2,2 Vsin; uA,pp = 37,9 V; kS = 1,20
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  1 V / Div,
uA+:   1 V / Div

Vergleich festes Mastervolumen 50 % und 100 %

In diesem Unterkapitel erst einmal keine neuen Messungen, sondern der Vergleich der Ergebnisse der beiden letzten Mess­reihen mit festem Master­volumen  bei 100 % und bei 50 %.  Spätestens dieser Ver­gleich sollte die Lage des Master­volumen­reglers klären: 

Bilder­tabelle 2.10:  Über­steuerungs­verhalten der End­stufe; Mess­frequenz 440 Hz, Solo-Boost aus, Master­volumen­regler 50 % oder 100 %. 
Oszillo­gramme
uA+ und uA−
Lissajous-Figuren
uA+ vs. uE
Master­volumen 50 %;
uE = 1,9 Vsin; uA,pp = 34,9 V; kS = 1,16
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  1 V / Div,
uA+:   1 V / Div
Master­volumen 100 %;
uE = 0,40 Vsin; uA,pp = 37,2 V; kS = 1,51
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,2 V / Div,
uA+:   1 V / Div
Master­volumen 50 %;
uE = 2,2 Vsin; uA,pp = 37,9 V; kS = 1,20
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  1 V / Div,
uA+:   1 V / Div
Master­volumen 100 %;
uE = 0,53 Vsin; uA,pp = 39,8 V; kS = 1,33
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,25 V / Div,
uA+:   1 V / Div

Die „weichere“ und leicht asymmetrische Be­gren­zung entsteht vor dem Master­volumen­regler.  Das weich begrenzte Signal (Bei­spiel 1 und Bei­spiel 3 in obiger Bilder­tabelle 2.10) wird nach der Be­gren­zung auf einen Pegel gedämpft, bei dem die Be­gren­zung durch die Class-D-End­stufe noch nicht (Bei­spiel 1) oder gerade erst (Bei­spiel 3) ein­setzt. 

In den Messungen mit voll auf­ge­dreh­tem Master­volumen­regler ist das Sig­nal vor der Be­grenzung durch die Class-D-End­stufe kaum verzerrt. 

Über­steuerung mit Solo-Boost und hohem Pegel

Eine weitere Messung, zur Unter­suchung der Wirkung des Master­volumen­reglers bei maximalem Solo-Boost und hohem End­stufen­eingangs­pegel (am FX-Return).  Der Erkennt­nis­gewinn beschränkt sich auf zwei unge­fähre Tat­sachen: 

  • Bei hohem End­stufen­eingangs­pegel begrenzt der Hard­clip in der Solo-Boost-Stufe, so stark, dass der Soft­clip dahinter (und vor dem Master­volumen­regler) nicht mehr zur Wirkung kommt. 

  • Die „ideale“ Einstellung des Master­volumen­reglers, um HF-Arte­fakte zu vermeiden, liegt bei etwa 40 % (siehe die folgenden Messungen bei Einstellungen des Master­volumen­reglers von 35 % und 50 % sowie weiter oben die Mess­reihe Pegel­abhängige Begrenzung ohne Solo-Boost)

Tabelle 1.8: Aus­gangs­spannungen der Über­steuerten Solo-Boost-Stufe und End­stufe in Abhän­gig­keit vom Master­volumen­regler.  Ein­gangs­signal­spannung uE = 2,4 Veff.  Komplexe Last. 
Master uA,sin
[ V ]
uA,pp
[ V ]
kS Anmerkgn.
20 % 12,228,61,17
35 % 16,237,21,15
50 %17,939,01,09 HF
80 %19,139,81,04HF,
Hardclip
90 %19,239,81,04HF,
Hardclip
100 %17,839,81,12HF,
Hardclip,
AP-Drift
Bilder­tabelle 2.11:  Über­steuerung von Solo-Boost-Stufe und End­stufe in Abhängigkeit vom Master­volumen­regler.  Ein­gangs­signal­spannung uE = 2,4 Veff.  Komplexe Last. 
Oszillo­gramme
uA+ und uA−
Lissajous-Figuren
uA+ vs. uE
Master­regler 20 %; uA,pp = 28,6 V; kS = 1,17
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  1 V / Div,
uA+:   1 V / Div
Master­regler 35 %; uA,pp = 37,2 V; kS = 1,15
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  1 V / Div,
uA+:   1 V / Div
Master­regler 50 %; uA,pp = 39,0 V; kS = 1,09
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  1 V / Div,
uA+:   1 V / Div
Master­regler 80 %; uA,pp = 39,8 V; kS = 1,04
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  1 V / Div,
uA+:   1 V / Div
Master­regler 90 %; uA,pp = 39,8 V; kS = 1,04
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  1 V / Div,
uA-:   1 V / Div
Master­regler 100 %; uA,pp = 39,8 V; kS = 1,12
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  2,5 V / Div,
uA- (rt):  2,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  1 V / Div,
uA+:   1 V / Div

Messungen am XLR-Aus­gang

Kapitelinhalt:[  Überspringen ]

Am Ende wurden die Eigenschaften des XLR-Aus­gangs unter­sucht – Pegel und Signal­formen (Über­steuerung).  Dazu wurde wieder ein Sinus­signal unter­schied­lichen Pegels in den FX-Return eingespeist und das Signal am XLR-Aus­gang gemessen und gegebenenfalls Oszillo­gramme und Lissajous-Figuren auf­ge­zeich­net. 

Ohne Solo-Boost

BlockschaltplanBlockschaltplan

Abb. 1.11: Schematische Darstellung der Messung „XLR-Aus­gang ohne Solo-Boost“ anhand des (vermuteten) Block­schalt­plans des Hughes & Kettner ampman – End­stufe. 

Ist der Solo-Boost nicht aktiviert, ergibt sich – neben den gleichen Phasen­dreher wie über den Laut­sprecher­aus­gang – eine Ver­stärkung von etwa ein Halb (Line-Pegel) und eine Aus­steuerungs­grenze von knapp zwei Volt (Sinus Effektiv­wert Sinus). 

Tabelle 1.9: Messungen am XLR-Aus­gang; Solo-Boost deaktiviert; Einspeisung am FX-Return; Mikrofon- oder Line-Pegel; Red Box ausgeschaltet. 
uE uA,mic uA,line Anmerkgn.
0,51 V 25 mVsin 280 mVsin
0,68 V 34 mVsin 373 mVsin
0,89 V 44 mVsin 490 mVsin
1,22 V 60 mVsin 670 mVsin
1,6 V 80 mVsin 890 mVsin
2,2 V320 mVpp2,9 Vppclippt
2,9 V330 mVpp2,9 Vppclippt

Hier handelt es sich nicht um besonders „musika­lische“ Ver­zerrungen, sondern um ein har­tes Clipping, das besser zu ver­meiden ist. 

Dieses Clipping über den Solo-Boost scheint auch etwas härter zu sein als das über den Laut­sprecher­aus­gang gemessene, setzt aber bei einem ver­gleich­baren Ein­gangs­signal­pegel am FX-Return (etwa 1 V Effektiv­wert Sinus) ein – siehe dazu auch die ent­sprechenden Messungen in Tabelle 2.5 und Bilder­tabelle 2.7

Bilder­tabelle 2.12:  Messungen am XLR-Aus­gang; Solo-Boost deaktiviert; Einspeisung am FX-Return; Mikrofon- oder Line-Pegel; Red Box ausgeschaltet. 
Oszillo­gramme
uA+ und uA−
Lissajous-Figuren
uA+ vs. uE
Ein­gangs­signal­pegel uE,sin = 1,6 V
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  1 V / Div,
uA- (rt):  0,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  1 V / Div,
uA+:   0,2 V / Div
Ein­gangs­signal­pegel uE,sin = 2,2 V
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  1 V / Div,
uA- (rt):  0,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  1 V / Div,
uA+:   0,2 V / Div
Ein­gangs­signal­pegel uE,sin = 2,9 V
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  1 V / Div,
uA- (rt):  0,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  1 V / Div,
uA+:   0,2 V / Div

Mit Solo-Boost

BlockschaltplanBlockschaltplan

Abb. 1.12: Schematische Darstellung der Messung „XLR-Ausgang mit Solo-Boost“ anhand des (vermuteten) Block­schalt­plans des Hughes & Kettner ampman – End­stufe. 

Mit der Aktivierung des Solo-Boosts er­höht sich die Ver­stärkung der End­stufe um maxi­mal etwa zwei; der maxi­male ver­zerrungs­freie Ein­gangs­signal­pegel fällt auf etwa ein Volt (Effektiv­wert Sinus) – die Aus­steuerungs­grenze hinter dem Solo-Boost von knapp 2,8 Volt bleibt. 

Tabelle 1.10: Messungen am XLR-Aus­gang; Solo-Boost maxi­mal; Einspeisung am FX-Return; Mikrofon- oder Line-Pegel; Red Box ausgeschaltet. 
uE uA,mic uA,line Anmerkgn.
0,51 V 54 mVsin 600 mVsin
0,68 V 73 mVsin 800 mVsin
0,89 V259 mVpp2,89 Vppclippt leicht
1,22 V264 mVpp2,94 Vppclippt
1,6 V266 mVpp2,97 Vppclippt
2,2 V268 mVpp2,99 Vppclippt
2,9 V270 mVpp 3,0 Vppclippt
Bilder­tabelle 2.13:  Messungen am XLR-Aus­gang; Solo-Boost maxi­mal; Ein­speisung am FX-Return; Mikrofon- oder Line-Pegel; Red Box aus­ge­schal­tet. 
Oszillo­gramme
uA+ und uA−
Lissajous-Figuren
uA+ vs. uE
Eingangs­signal­pegel uE,sin = 0,68 V
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  0,25 V / Div,
uA- (rt):  0,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,5 V / Div,
uA+:   0,2 V / Div
Eingangs­signal­pegel uE,sin = 0,89 V
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  0,5 V / Div,
uA- (rt):  0,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,5 V / Div,
uA+:   0,2 V / Div
Eingangs­signal­pegel uE,sin = 1,22 V
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  0,5 V / Div,
uA- (rt):  0,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,5 V / Div,
uA+:   0,2 V / Div
Eingangs­signal­pegel uE,sin = 1,6 V
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  0,5 V / Div,
uA- (rt):  0,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  0,5 V / Div,
uA+:   0,2 V / Div
Eingangs­signal­pegel uE,sin = 2,2 V
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  1 V / Div,
uA- (rt):  0,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  1 V / Div,
uA+:   0,2 V / Div
Eingangs­signal­pegel uE,sin = 2,9 V
OszillogrammOszillogrammuA+ (gn):  1 V / Div,
uA- (rt):  0,5 V / Div
Lissajous-FigurLissajous-FiguruE:  1 V / Div,
uA+:   0,2 V / Div

Nachmessen mit Digitaloszilloskop

Beim Nach­messen des maxi­malen Ausgangs­spannungs­hubs mit dem vorhandenen Mess­equipment des Autors (PC mit Sound­karte, Vorschalt­gerät und Oszillo­skopen­software) wie auch mit einem älteren Digital­oszilloskop (CREATEC SC02) wurde auch hier in der konkreten Um­setzung bzw. Ein­stellung und Kalibrierung (über die Sound­karten­einstellung von Windows) ein Mess­fehler festgestellt – die hier im PC gemessenen Ausgangs­spannungs­hübe sind etwa 10 % zu klein. 

Tabelle 2.11: Messung der maxi­malen Ausgangs­spannungen an einem der Ausgänge der End­stufe in Brückenschaltung – Messung mit dem Digital­scope CREATEC SC02
Master­volumen uA+,sin
[ V ]
uA−,pp
[ V ]
100 % & Solo-Boost 9,9 V≈22 V
100 % 9,2 V≈22 V
  50 % (kaum Verzerrungen) 5,8 V 15,5 V
≈80 % (Keine HF-Artefakte)8,1 V 20 V

Die HF-Arte­fakte konnten auch nicht genauer unter­sucht werden – das Digital­oszilloskop arbeitete zwar bis in den MHz-Bereich, das Display war aber viel zu klein und viel zu grob­pixelig – mehr als in den Abbildungen in Bilder­tabelle 2.2 konnte man da definitiv nicht erkennen.