Der „ampman classic“ von Hughes & Kettner
Messungen an der Endstufe
Kapitelinhalt:[ Überspringen ]- TL;DR – das Fazit vorweg
- Vorüberlegungen
- Erste Messungen
- Phänomene an ohmscher Last
- Messungen an einer komplexen Last
- Übersteuerung mit festem Mastervolumen
- Übersteuerung mit Solo-Boost und hohem Pegel
- Messungen am XLR-Ausgang
- Nachmessen mit Digitaloszilloskop
Das zweite Kapitel des Artikels über den Hughes & Kettner AmpMan widmet sich der Untersuchung der Endstufe, das heißt des Teils im Signalweg zwischen FX-Return und Lautsprecher.
TL;DR – das Fazit vorweg
Kapitelinhalt:[ Überspringen ]Zum „TL;DR“ bzw. zum vorgezogenen Ergebnis der Untersuchung gehört eine hoffentlich aussagekräftige Abb. 2.1 – der Versuch eines Übersichtsschaltplans der Endstufe:

Abb. 1.1: (Vermuteter) Blockschaltplan des Hughes & Kettner ampman – Endstufe. (Kopfhörerausgang, AUX-Eingang etc. werden nicht dargestellt.)
Grenzen der Messgenauigkeit
Auch zu den Messungen der Endstufe ein offenes Wort vorweg: Das „Mess-Equipment“, das dem Autor zur Verfügung stand (Windows-PC mit Vorverstärker bzw. Vorschaltgerät, Soundkarte und Oszilloskopensoftware), ist für professionelle Tests nicht vollständig geeignet – bei den gemessenen Spannungen muss mit Messfehlern im Bereich von 5 % bis 10 % gerechnet werden (was bei den gemessenen Leistungen auf Messfehler im Bereich von 10 % bis 20 % hinausläuft).
Abgesehen davon arbeitet die Soundkarte mit einer Abtastfrequenz von maximal 192 kHz, was zur Beurteilung von möglichen HF-Artefakten einer Class-D-Endstufe (mögliche PWM-Frequenz etwa 400 kHz) natürlich zu wenig ist. Deswegen können zu den Artefakten nur grobe Untersuchungen vorgenommen werden.
Nun wieder zu den Ergebnissen:
Begrenzungen
Bei den verschiedenen Messungen an der Endstufe wurden neben oder besser zwischen den beiden Volumenreglern (Solo-Boost, Mastervolumen) mehrere Begrenzungsschaltungen gefunden, die im Folgenden kurz beschrieben werden sollen (siehe dazu auch den Übersichtsplan der Endstufe in Abb. 2.1):
- Begrenzungen vor der eigentlichen (Class-D*)-Endstufe:
-
Diese Begrenzung ist der einer Röhrenendstufe nachempfunden – ihre Intensität folgt dem Eingangssignalpegel der Endstufe. Sie liegt vor dem Mastervolumenregler und kann also durch die den Eingangspegel der Endstufe beeinflusst werden (in etwa wie bei einem PPIMV hinter der Phaseninverterstufe).
- Begrenzungen nach dem Solo-Boost:
-
Mit der Aktivierung des Solo-Boosts (per Fußschalter) werden eine einstellbare Volumenanhebung und eine Begrenzerstufe hinter dem Eingang der Endstufe eingeschleift. Diese Begrenzung ist schon etwas härter und tritt bei Eingangspegeln (am FX-Return) von 1 V (bei voll aufgedrehtem Solo-Boost) bzw. von 2 V (bei heruntergedrehtem Solo-Boost) auf – man sollte also Pegel von mehr als 1 V Sinus Effektivwert vermeiden.
- Begrenzungen am XLR-Ausgang:
-
Diese Begrenzungen sind die härtesten – wie auch im Datenblatt vermerkt, sollte man am Eingang der Endstufe (FX-Return) Pegel von mehr als 6 dBV (bzw. 2 Veff Sinus) vermeiden – bei voll aktiviertem Solo-Boost verringert sich der maximale Eingangspegel auf 0 dBV bzw. 1 Veff Sinus:
Lineare Potentiometer
Ein bisschen muss auch hier schon gemeckert werden – auch bei dem Mastervolumenregler der Endstufe handelt es sich um ein lineares Potentiometer mit entsprechend ungünstiger Regelcharakteristik – auch wenn diese nicht zu so grundsätzlichen Problemen führt wie in der Vorstufe – wo es schwierig sein kann, die hohen Ausgangspegel und die u.U. deutlichen Lautstärkeunterschiede der beiden Kanäle auszuregeln.
HF-Artefakte
Bei der Untersuchung der Endstufe wurde festgestellt, dass bei mehr oder weniger großer Aussteuerung HF-Artefakte im Oszilloskop des Autors auftauchten (siehe die Oszillogramme in der folgenden Bildertabelle):
Bildertabelle 2.1: Oszillogramme der Ausgangssignale der Endstufe des ampman beim Auftreten von HF-Artefakten bei unterschiedlichen Wellenformen.
Der Ausgangsspannungshub, mit dem die Artefakte einsetzen, konnte nicht genau spezifiziert werden (etwa zwischen ±25 V und ±35 V zwischen den beiden Ausgängen der Endstufe in Brückenschaltung); mit geringerem Lautsprecherwiderstand ist er eher geringer.
Vorüberlegungen
Kapitelinhalt:[ Überspringen ]- Angaben im Datenblatt •
- Sinnvolle und notwendige Untersuchungen •
- Sicherheitshinweis •
- Spezielles Kabel
Bevor „losgemessen“ wird, sind ein paar Überlegungen (und ein paar spezielle Kabel) notwendig.
Angaben im Datenblatt
Auch hier ein paar relevante Informationen aus dem Datenblatt des Gerätes – die Pegel am FX-Return und die Ausgangsleistungen bei verschiedenen Lautsprecherwiderständen.
- FX-Return
-
Klinkenbuchse 6,3 mm; unsymmetrisch; REing. = 20 kΩ
Sensitivity (Clean, alle Potis in Mittelstellung, Master in Maximalstellung): −6 dBV bzw. 0,2 Vsin / 0,6 Vpp (Spitze-Spitze)
maximaler Level: 9 dBV bzw. 2,8 Vsin / 8 Vpp
- Speaker-Out
-
Klinkenbuchse 6,3 mm; Bridged-Mode; 4 Ω–16 Ω;
- Ausgangsleistung @ 4 Ω: 48 W
- Ausgangsleistung @ 8 Ω: 25 W
- Ausgangsleistung @16 Ω: 13 W
Sinnvolle und notwendige Untersuchungen
- Dynamischer Innenwiderstand
-
Hier geht es um eine mögliche Abhängigkeit der Ausgangsspannung vom Lautsprecherwiderstand – nicht die der Aussteuerungsgrenzen von der Last, sondern die Abhängigkeit der Ausgangsspannung der Endstufe vom Lastwiderstand (bei gleicher Eingangsspannung).
Wenn sich die Verstärkung der Endstufe bei sich veränderndem Lastwiderstand ebenfalls ändert, wird dieser Zusammenhang als differentieller (oder „dynamischer“) Innenwiderstand der Endstufe bezeichnet – die Endstufe betont dann die Frequenzbereiche, in denen der Lautsprecher eine hohe Impedanz hat (Bass- und andere Resonanzen sowie, wegen der Schwingspuleninduktivität, die Höhen)
- Dynamischer Innenwiderstand und „durchwobbeln“
-
Weiterhin wird untersucht, ob sich mit einer „komplexen“, nicht-ohmschen Last ähnlich einem „echten“ Lautsprecher (in Form eines reaktiven Dummy Loads) der Ausgangspegel über den Frequenzbereich ändert.
Um das Ergebnis dieser Untersuchung vorwegzunehmen: Die Endstufe mit Dummy Load wurde mit dem Tongenerator des Softwareoszilloskopen „durchgewobbelt“ – der gesamte Frequenzbereich wurde durchlaufen – und keine wesentliche Veränderung der Ausgangsspannung festgestellt.
Der differentielle Ausgangswiderstand der Endstufe ist dann wohl hinreichend klein – eher wie bei einer HiFi-Endstufe.
- Regelcharakteristiken
-
Außerdem müssen auch hier die Charakteristiken der beiden ausgangsseitigen Volumenregler (Solo-Boost und Master) überprüft werden – ein lineares Potentiometer könnte auch im Fall des Mastervolumenreglers eine unpraktische Regelcharakteristik zur Folge haben.
- Begrenzerverhalten
-
Schließlich ist es sinnvoll, dass (quasistatische) Übersteuerungsverhalten zu untersuchen – clippt nur die Class-D-Endstufe oder auch die Stufen davor, bleibt die Schaltung stabil, hängt die maximale Aussteuerung von der Lautsprecherimpedanz ab usw.
Sicherheitshinweis
Da bei einer Endstufe in Brückenschaltung (anders ist eine so hohe Ausgangsleistung bei einer eher geringen Betriebsspannung gar nicht möglich) beide Ausgänge der Endstufe „Signal führen“, müssen auch beide „Pole“ des Ausgangs gegen Kurzschlüsse (zueinander und gegen Masse) isoliert werden. Es ist also sinnvoll, die (Gehäuse der) Klinkenstecker des Lautsprecherkabels zu isolieren bzw. abzukleben.
Weiterhin wurden bei den im Folgenden beschriebenen Untersuchungen die verwendeten Dummy Loads mit deutlichem Sicherheitsabstand neben dem Tisch auf dem Teppich abgestellt, damit dessen Masse nicht mit anderen Geräten Verbindung hat – diese „Masse“ des Dummy Loads ist ja einer der beiden Ausgänge des Verstärkers in Brückenschaltung.
Spezielle Kabel
Die Messungen an der Endstufe wurden an Lastwiderständen anstelle eines Lautsprechers (verschiedene selbstgebaute Dummy Load, siehe hier) gemacht.
Die Verbindung zwischen „ampman“ und Dummy Load erfolgte über zwei Kabel – ein zweiadriges Kabel mit Querschnitt 2 × 0,75 mm2 von Klinkenstecker auf passende Aderendhülsen – für die Verbindung von „ampman“ und Dummy Load – sowie ein zweiadriges Kabel zu den Messgeräten mit je einem in das Kabel eingesetzten Widerstand 4,7 kΩ (siehe die folgende Abb. 2.2):

Abb. 1.2: Messkabel zur Untersuchung der Endstufe in Brückenschaltung des ampman an einem Dummy-Load – der Dummy-Load muss von der übrigen Schaltung völlig isoliert werden!
Diese eingesetzen Widerstände sollen lediglich einen möglichen Kurzschluss hinter dem Lautsprecherausgang auf dem Basteltisch / dem Breadboard verhindern. Bei einem Eingangswiderstand von mindestens 1 MΩ des Vorschaltgerätes zum Softwareoszilloskops (dessen Eingangsschaltung siehe hier) führt ein Vorwiderstand 4,7 kΩ zu einem hier vernachlässigbaren Messfehler von etwa 0,5 %.
Erste Messungen
Kapitelinhalt:[ Überspringen ]- Einmal durchwobbeln •
- Ausgangsseitige Symmetrie •
- Messung der Verstärkung •
- Charakteristiken von Solo-Boost- und Mastervolumen-Potentiometer
Einmal durchwobbeln
Mit einer komplexen Last als Lautsprecher (spezieller Dummy Load, der die frequenzabhängige komplexe Impedanz einer Lautsprecherbox nachbildet) wurde der gesamte Audiofrequenzbereich bei konstantem Eingangssignalpegel durchlaufen und die Signalspannung am Lautsprecherausgang gemessen. Hier wurden keine Änderungen des Ausgangssignalpegels beobachtet.
Das heißt, dass die Endstufe des ampman keinen (künstlich erhöhten) Ausgangswiderstand aufweist.
Ausgangsseitige Symmetrie
Die Spannungen an den beiden Polen des Lautsprecherausgangs (der Endstufe in Brückenschaltung) wurden – bei mäßiger Aussteuerung – gemessen. Die Pegel waren exakt gleich. (Die unterschiedlichen Spannungen, die hier u. a. in den Oszillogrammen zu sehen sind, resultieren wahrscheinlich aus den Toleranzen der Bauelemente in der Messelektronik – beim Tauschen der Messeingänge „wanderten die Fehler nicht mit“.)
Messung der Verstärkung
Weiterhin wurde die Verstärkung der Endstufe gemessen – für zwei Messungen (bei 99 Hz und 440 Hz) ergibt sich eine Verstärkung von etwa 32 (bzw. 24 dB) sowie mit aktiviertem maximalem Solo-Boost eine Verstärkung von knapp 67 (bzw. 37 dB – siehe die folgende Tabelle 2.1):
| Messung | uE [ V ] |
uA [ V ] |
vu | vu [ dB ] |
|---|---|---|---|---|
| 99 Hz | 0,180 | 5,7 | 31,7 | 30 |
| 440 Hz | 0,136 | 4,4 | 32,0 | 30 |
| 440 Hz mit Solo-Boost | 0,136 | 9,2 | 67,6 | 37 |
Damit ergibt sich für die Vollaussteuerung (25 V an 8 Ω) eine notwendige Eingangssignalspannung der Endstufe von etwa −7 dB, was im Wesentlichen den Angaben im Datenblatt entspricht:
\( \begin{eqnarray} u_{E,min} & = & \frac{1} { v_U } \cdot \sqrt{P_A \cdot Z_L } \\~\\ & = & \frac{1} { 32 } \cdot \sqrt{25 \cdot 8 \cdot \textrm{V}\cdot \textrm{A}\cdot \frac{\textrm{V}}{\textrm{A}} } \\~\\ & \approx & \frac{14{,}14} { 32 } \,\textrm{V} \\~\\ & \approx & 0{,}44 \,\textrm{V} \\~\\ & \approx & −7 \,\textrm{dBV} \tag{2.1}\end{eqnarray} \)
Charakteristiken von Solo-Boost- und Mastervolumen-Potentiometer
Auch für die Endstufe des ampman wurden die Charakteristiken beider Lautstärkepotentiometer (Solo-Boost und Mastervolumen): untersucht – für fünf verschiedene Einstellungen des jeweiligen Reglers wurde die Verstärkung der im linearen Bereich arbeitenden Endstufe gemessen:
| Einstellung Poti |
Poti Master | Poti Solo-Boost | ||
|---|---|---|---|---|
| uA [ V ] |
DPoti [ dB ] |
uA [ V ] |
DPoti [ dB ] |
|
| 0 % | 0,1 | -43,8 | 5,9 | -1,2 |
| 20 % | 2,1 | -17,3 | 7,8 | 1,1 |
| 50 % | 6,6 | -8,6 | 10,9 | 4,1 |
| 80 % | 12,3 | -2,0 | 12,9 | 5,6 |
| 100 % | 15,4 | 0 | 13,4 | 5,9 |
| ohne Solo-Boost | — | — | 6,8 | 0 |
Bei beiden Potentiometern scheint es sich um solche mit linearer Charakteristik zu handeln – was beim Solo-Boost-Regler noch gut funktioniert, führt für den Mastervolumenregler zu einer nur eingeschränkt brauchbaren Regelcharakteristik, weil sich wesentliche Veränderungen bei kleinen Lautstärken auf den sehr kleinen Bereich bei fast zugedrehtem Regler konzentrieren (siehe dazu auch das Diagramm in folgender Abb. 2.3).

Diagr. 1.3: Grob (mit vier Messpunkten) gemessene Charakteristik von Mastervolumen- und Solo-Boost-Regler. Darstellung in logarithmischer Skalierung – und die Charakteristik eines idealen linearen und logarithmischen Potentiometers.
Für den Solo-Boost-Regler ist die Verwendung eines linearen Potentiometers völlig in Ordnung, wie Abb. 2.3 (roter gestrichelter Graph) auch zeigt.
Phänomene an ohmscher Last
Kapitelinhalt:[ Überspringen ]Die ersten Messungen erfolgten an einem kleinen und „rein ohmschen“ Dummy Load – umschaltbar zwischen etwa 4 Ω und etwa 8 Ω (siehe hier).
HF-Artefakte
Bei der Betrachtung der Messergebnisse muss mit einem eher unschönen Messergebnis begonnen werden – die Endstufe (in Class-D-Schaltung) kann bei Übersteuerung hässlich verzerren bzw. überschwingen bzw. Anteile höherer Frequenzen enthalten. Die folgenden beiden Abbildungen zeigen zwei Oszillogramme der Ausgangssignale der Endstufe bei leichter Übersteuerung – einmal ohne und einmal mit aktiviertem Solo-Boost.
Bildertabelle 2.2: Oszillogramme der Ausgangssignale der Endstufe des ampman beim Auftreten von HF-Artefakten. 440 Hz; Ohmsche Last.
Dabei wurde eigentlich mit einer ziemlich sauberen ohmschen Last gemessen, so dass für eine Filterung hinter den Ausgängen der Endstufe (LC-Filter auf ohmschen Widerstand) ideale Bedingungen vorliegen müssten, um diese HF-Artefakte herauszufiltern.
In obiger Bildertabelle 2.2 zeigt sich, dass das Auftreten von HF-Artefakten bei einem Ausgangsspannungspegel von knapp 9 V gegen Masse bzw. bei etwa 17,5 V Ausgangsdifferenzspannung (bzw. bei etwa 20 W an 8 Ω) einsetzt, unabhängig davon, ob der Solo-Boost davor das Sinussignal bereits begrenzt hat oder nicht.
Letztendlich stellt sich natürlich die Frage, was man von diesen HF-Artefakten hört – siehe dazu die Detailansicht einer der beiden obigen Oszillogramme in der folgenden Abb. 2.4:

Abb. 1.4: Ausschnitt aus dem rechts angeordneten Oszillogramm in Bildertabelle 2.2 – horizontale Skalierung von 0,2 ms pro Div.
Zur Beurteilung der gezeigten HF-Artefakte in obigen Oszillogrammen:
Bei einer horizontalen Skalierung von 0,2 ms und etwa 15 „Überschwingern“ pro Div könnte man auf eine Frequenz der HF-Artefakte von etwa 75 kHz schließen – allerdings ist von PWM-Frequenzen zwischen 300 kHz und 1200 kHz und einer Abtastfrequenz im AD-Wandler der Soundkarte von 192 kHz auszugehen – was hier im Oszillogramm sichtbar ist, ist nur der Artefakt des Artefaktes; mit einer Frequenz, die erst durch eine zu geringe Abtastfrequenz „entsteht“.
Ungeachtet der genauen Frequenz bleibt natürlich, dass solche HF-Artefakte ein Problem darstellen können, wenn sie über das (ungeschirmte) Lautsprecherkabel abgestrahlt werden.
Versuch einer Parametrisierung
Natürlich wurde versucht, dem Phänomen der HF-Artefakte auf den Grund zu gehen. Hier muss zunächst gesagt werden, dass es sich bei einem Verstärker in Class-D-Schaltung nicht unbedingt um „Überschwingen“ handelt, sondern wahrscheinlich eher um mangelhafte Filterung des Ausgangssignals.
Weiterhin wurde beobachtet, dass der Effekt lediglich bei relativ großen Ausgangsspannungen kurz vor der Vollaussteuerung auftritt. Leider führte der Versuch, durch Messungen unter verschiedenen Bedingungen (unterschiedliche Lautsprecherwiderstände, unterschiedlich stark begrenzte Signale) einen Zusammenhang zwischen den verschiedenen Bedingungen und der Schwellspannung, ab der die Artefakte auftreten, zu keinem sinnvollen Ergebnis – bzw. es ließ sich kaum ein Zusammenhang mit den genannten Parametern herstellen.
Insgesamt scheint die (temporäre) Ausgangsspannung, mit der der Effekt einsetzt, mit größerem Lautsprecherwiderstand (geringere Last) und mit der weicheren Übersteuerung vor der Endstufe zu steigen.
Softclip
Weiterhin wurde ein spezielles (und nicht zwingend hässliches) Verhalten bei der Untersuchung des Solo-Boosts beobachtet.
Die Endstufe des Geräts (Eingang FX-Return) wurde mit einem Sinussignal mit einer Amplitude von 0,5 Vsin beschickt und der Mastervolumenregler soweit aufgedreht, dass noch gerade keine HF-Artefakte (siehe weiter oben) auftraten. Danach wurde der (maximale) Solo-Boost aktiviert und der Mastervolumenregler entsprechend nachgeregelt.
Im letzteren Fall konnte eine weiche und leicht asymmetrische Signalbegrenzung an beiden Lautsprecherausgängen des ampman beobachtet werden (siehe die unteren beiden Oszillogramme in der folgenden Bildertabelle 2.3).
Bildertabelle 2.3: Oszillogramme der Ausgangssignale der Endstufe des ampman kurz vor dem Auftreten von HF-Artefakten; 440 Hz; Ohmsche Last.
Es muss aber darauf hingewiesen werden, dass hier nicht „der Solo-Boost“ weich übersteuert (der tut das wesentlich härter und bei wesentlich größeren Signalpegeln; siehe hier), sondern durch den aktivierten Solo-Boost und das anschließend zurückgedrehte Mastervolumen wird eine Schaltungseinheit dazwischen weich und asymmetrisch übersteuert.
Messungen an einer komplexen Last
Kapitelinhalt:[ Überspringen ]- Übersteuerung der Solo-Boost-Stufe allein •
- Endstufenbegrenzung bei Solo-Boost 0 % bis 100 % •
- Pegelabhängige Begrenzung ohne Solo-Boost •
- Pegelabhängige Begrenzung mit Solo-Boost •
- Fazit Pegelabhängige Begrenzung mit Solo-Boost
Um die Probleme mit der Abgabe von hochfrequenten Signalanteilen (HF-Artefakten) durch die eigentliche Endstufe nicht an der Realität vorbeizutesten (der Lautsprecher ist kein rein ohmscher Widerstand), wurde als Dummy Load eine komplexe Last – ein aus einem alten Groove-Tubes-Verstärker entnommener Dummy Load (Schaltung siehe hier) verwendet.
Übersteuerung der Solo-Boost-Stufe allein
Die Solo-Boost-Stufe, bestehend aus einer leichten Pegelanhebung (regelbar; bis zu 6 dB) und einer darauffolgenden Hardclip-Stufe, kann über einen Fußschalter in den Signalweg eingeschleift werden.
Die folgende Abb. 2.5 zeigt in etwa das Prinzip der entsprechenden Messung:

Abb. 1.5: Schematische Darstellung der Messung „Übersteuerung der Solo-Boost-Stufe allein“ anhand des (vermuteten) Blockschaltplans des Hughes & Kettner ampman – Endstufe.
Die Hardclip-Stufe übersteuert erst bei relativ hohen Eingangssignalpegeln; die Endstufe (Eingang FX-Return) musste dazu mit einem Signal von knapp 2 Veff angesteuert werden. Damit bei solch hohen Pegeln wirklich nur die Solo-Boost-Stufe übersteuert, wurden die Volumenänderungen bei den unterschiedlichen Einstellungen des Solo-Boost-Reglers bzw. der deaktivierte Solo-Boost über den Mastervolumenregler so ausgeglichen, dass das Ausgangssignal eine relativ unveränderliche Spitze-Spitze-Spannung von etwa 20 V erreichte (etwa 10 V für beide Ausgänge der Endstufe in Brückenschaltung).
Bildertabelle 2.4: Ausgangssignale im linearen Betrieb der Endstufe – unterschiedlichem Einstellungen des Solo-Boost-Reglers werden durch den Mastervolumenregler zu gleichem Ausgangsspannungshub ausgeglichen (uE,sin ≈ 1,9 V); Komplexe Last.
Es zeigt sich, dass mit dem Solo-Boost eine eher harte und symmetrische Begrenzung des Signals erfolgt, wenn auch bei sehr hohen Eingangspegeln – schließlich sind hier Signalpegel von etwa 1 Vsin (maximaler Solo-Boost) bis etwa 2 Vsin (minimaler Solo-Boost) notwendig, um diese Begrenzung zu erzwingen.
Endstufenbegrenzung bei Solo-Boost 0 % bis 100 %
Nun wurde untersucht, inwieweit der der Solo-Boost-Regler bei geringerem Pegel (ohne Übersteuerung der eigentlichen Solo-Boost-Stufe) die Übersteuerungscharakteristik der gesamten Endstufe beeinflussen – siehe auch die folgende Abb. 2.6:

Abb. 1.6: Schematische Darstellung der Messung „Endstufenbegrenzung bei Solo-Boost 0 % bis 100 %“ anhand des (vermuteten) Blockschaltplans des Hughes & Kettner ampman – Endstufe.
Die nachfolgende Tabelle 2.3 fasst die gemessenen Ergebnisse zusammen, bedarf einer kurzen Erläuterung:
- Bestimmung maximale Aussteuerung:
-
Mit einem Signalpegel von etwa 0,58 Vsin am FX-Return und verschiedenen Einstellungen für den Solo-Boost und den Solo-Boost-Regler wird die maximal mögliche Aussteuerung der Endstufe (dem Auftreten von hochfrequenten Störungen) ermittelt und dann Oszillogramme und Lissajous-Figuren aufgenommen.
- Bestimmung Verstärkung:
-
Der Eingangssignalpegel wird um etwa 10 dB auf etwa 0,18 Vsin gesenkt und anhand der Ausgangsspannung des unverzerrten Signals die Verstärkung ermittelt.
Nun die Tabelle selbst mit den gemessenen Werten:
| Solo-Boost | Softclip uE = 0,58 V |
kS | clean uE = 0,18 V |
||
|---|---|---|---|---|---|
| uA,sin [ V ] |
uA,pp [ V ] |
uA [ V ] |
vU | ||
| ohne | 13,9 | 36,0 | 1,32 | 2,49 | 13,6 |
| 0 % | 13,6 | 36,3 | 1,36 | 2,42 | 13,3 |
| 20 % | 14,3 | 36,5 | 1,19 | 2,79 | 15,3 |
| 50 % | 17,9 | 36,3 | 1,01 | 3,26 | 17,9 |
| 80 % | 19 | 35,8 | 0,94 | 3,46 | 19 |
| 100 % | 19,6 | 34,6 | 0,88 | 3,57 | 19,6 |
Insbesondere die Lissajous-Figuren in der folgenden Bildertabelle 2.5 zeigen eine weiche und leicht asymmetrische Begrenzung. Die harte Begrenzung durch den Solo-Boost wird bei den verwendeten Signalpegeln nicht wirksam – sie setzt erst bei Eingangssignalpegeln um 2 Vsin ein.
Bildertabelle 2.5: Ausgangssignale kurz vor dem Auftreten von HF-Artefakten bei unterschiedlichem Einstellungen des Solo-Boost-Reglers (uE,sin ≈ 580 mV); Komplexe Last.
uA+ und uA−
uA+ vs. uE
Pegelabhängige Begrenzung ohne Solo-Boost
Im Anschluss wurde der Solo-Boost vollständig aus dem Signalweg genommen, um nur den Softclip genauer untersuchen zu können:

Abb. 1.7: Schematische Darstellung der Messung „Pegelabhängige Begrenzung ohne Solo-Boost“ anhand des (vermuteten) Blockschaltplans des Hughes & Kettner ampman – Endstufe.
Auch hier wurde die Endstufe in die (weiche) Begrenzung getrieben – ohne aktivierten Solo-Boost. Der maximale Eingangssignalpegel von 2,9 Vsin entspricht der im Datenblatt angegebenen maximalen Ansteuerung am FX-Return von 9 dBV.
Der Softclip setzt bei gegebener Einstellung des Mastervolumenreglers bei Ausgangsspannung über 10 Vsin ein.
| uE [ V ] |
uA,sin [ V ] |
uA,pp [ V ] |
kS | Anmerkgn. |
|---|---|---|---|---|
| 0,68 | 6,2 | 17,7 | 1,43 | clean |
| 0,89 | 8,1 | 22,8 | 1,41 | clean |
| 1,19 | 10,5 | 28,8 | 1,37 | Beginn Softclip |
| 1,6 | 12,9 | 32,6 | 1,26 | Beginn Softclip |
| 2,2 | 14,3 | 35,2 | 1,23 | Softclip |
| 2,9 | 15,5 | 36,7 | 1,18 | Softclip |
Dazu in der folgenden Bildertabelle 2.6 bestätigt die in der obigen Tabelle aufgelisteten Ergebnisse:
Bildertabelle 2.6: Übersteuerungsverhalten der Clippstufe vor der Class-D-Endstufe; Messfrequenz 440 Hz, Solo-Boost aus, Mastervolumenregler 40 %, (maximaler Master vor dem Auftreten von HF-Artefakten) Eingangssignalpegel von ≈0,7 V bis ≈3 V. Komplexe Last.
uA+ und uA−
uA+ vs. uE
Pegelabhängige Begrenzung mit Solo-Boost
Das letzte Experiment wurde noch einmal mit aktiviertem Solo-Boost wiederholt – um die dadurch um etwa 6 dB gestiegene Verstärkung auszugleichen, wurde der (weitgehend lineare) Mastervolumenregler von Einstellung 40 % auf Einstellung 20 % „heruntergedreht“:

Abb. 1.8: Schematische Darstellung der Messung „Pegelabhängige Begrenzung ohne Solo-Boost“ anhand des (vermuteten) Blockschaltplans des Hughes & Kettner ampman – Endstufe.
Auch hier setzt der Hardclip bei einem Ausgangsspannungshub von etwa 10 Vsin ein.
| uE [ V ] |
uA,sin [ V ] |
uA,pp [ V ] |
kS | Anmerkgn. |
|---|---|---|---|---|
| 0,68 | 6,3 | 18,0 | 1,43 | |
| 0,89 | 8,2 | 23,2 | 1,41 | |
| 1,2 | 10,3 | 27,2 | 1,32 | Beginn Hardclip |
| 1,6 | 11,5 | 28,4 | 1,23 | Hardclip |
| 2,2 | 12,2 | 29,0 | 1,19 | Hardclip |
| 2,9 | 12,7 | 29,3 | 1,15 | Hardclip |
Hier kann es eher nicht zur weichen Begrenzerkennlinie kommen, da das zum Teil schon recht hochpegelige Eingangssignal schon vorher am aktivierten Solo-Boost hart begrenzt wird:
Bildertabelle 2.7: Übersteuerungsverhalten der Clippstufe vor der Class-D-Endstufe; Messbedingungen: Messfrequenz 440 Hz, Solo-Boost max., Mastervolumenregler 20 %, Eingangssignalpegel von ≈0,7 V bis ≈3 V. Komplexe Last.
uA+ und uA−
uA+ vs. uE
Fazit Pegelabhängige Begrenzung mit Solo-Boost
Als Fazit der beiden letzten Messserien (pegelabhängige Begrenzung mit Solo-Boost und ohne Solo-Boost) lassen sich drei verschiedene Schlüsse ziehen:
- Vermeidung von HF-Artefakten
-
Mit dem Mastervolumenregler hinter dem Softclip lässt sich das Auftreten von HF-Artefakten theoretisch(!) vermeiden – mit der Schwierigkeit, die passende Einstellung des Mastervolumenreglers zu finden, und dem Preis, dass die Endstufe nicht nur weich, sondern auch früh „softclipt“, also die versprochene maximale Ausgangsleistung vollständig unverzerrt nicht erreicht wird.
- Begrenzung nach dem Solo-Boost
-
Mit der Aktivierung des Solo-Boost wird hinter der eigentlichen Volumenerhöhung ein symmetrischer Hardclip eingefügt, der aber erst bei sehr großen Eingangssignalpegeln wirksam wird.
- Asymmetrische Begrenzung
-
Außerdem existiert im Signalweg eine weiter Pegelbegrenzung für jeden Zweig der Endstufe in Brückenschaltung. Sie ist deutlich weicher und jeweils leicht asymmetrisch. Man könnte sagen, diese Begrenzung bildet die Übersteuerungen des Phaseninverters in einer Gegentakt-Röhrenendstufe nach.
Übersteuerung mit festem Mastervolumen
Kapitelinhalt:[ Überspringen ]- Festes Mastervolumen 100 % •
- Festes Mastervolumen 50 % •
- Vergleich festes Mastervolumen 50 % und 100 %
Nachdem in den vorherigen Untersuchungen zum Übersteuerungsverhalten der Endstufe des ampman darauf geachtet wurde, den Mastervolumenregler immer gerade so einzustellen, dass am Ausgang keine HF-Artefakte auftreten, folgen drei Messreihen mit fest eingestelltem Mastervolumenregler.
Das schließt die Möglichkeit ein, dass die eigentliche Class-D-Endstufe selbst clippt oder, wie bereits beobachtet, HF-Artefakte erzeugt.
Festes Mastervolumen 100 %

Abb. 1.9: Schematische Darstellung der Messung „Festes Mastervolumen 100 %“ anhand des (vermuteten) Blockschaltplans des Hughes & Kettner ampman – Endstufe.
Begonnen wurde mit einem voll aufgedrehtem Mastervolumenregler (bei deaktiviertem Solo-Boost) und verschiedenen Eingangssignalpegeln – „ohne Rücksicht auf Verluste“ bzw. auf mögliche HF-Artefakte.
Die folgende Tabelle 2.6 zeigt, dass sich ein maximaler Ausgangsspannungshub von (hier gemessen) knapp 40 V einstellt. Erreicht oder überschreitet das Ausgangssignal den Bereich unter dieser Ausgangsspannungsgrenze, so treten auch HF-Artefakte auf.
| uE [ V ] |
uA,sin [ V ] |
uA,pp [ V ] |
kS | Anmerkgn. |
|---|---|---|---|---|
| 0,22 | 7,1 | 20,5 | 1,44 | |
| 0,30 | 9,5 | 27,2 | 1,43 | |
| 0,40 | 12,3 | 37,2 | 1,51 | |
| 0,53 | 15,0 | 39,8 | 1,33 | HF, Hardclip |
| 0,71 | 16,2 | 39,8 | 1,23 | HF, Hardclip |
| 0,93 | 16,8 | 39,8 | 1,18 | HF, Hardclip |
| 1,27 | 17,4 | 39,8 | 1,14 | HF, Hardclip |
| 1,7 | 17,8 | 39,8 | 1,12 | HF, Hardclip |
| 2,3 | 18,1 | 39,8 | 1,1 | HF, Hardclip |
| 3,0 | 18,3 | 39,8 | 1,09 | HF, Hardclip, AP-Drift |
Die Screenshots in Bildertabelle 2.8 bestätigen das erst einmal – die letzte Messung weist aber noch auf ein weiteres Detail hin:
Bildertabelle 2.8: Übersteuerungsverhalten der Class-D-Endstufe; Messbedingungen: Messfrequenz 440 Hz, Solo-Boost aus, Mastervolumenregler 100 %, Eingangssignalpegel von 0,22 V bis 3 V.
uA+ und uA−
uA+ vs. uE
Bei starker Übersteuerung (der Eingangssignalpegel liegt mit 3,0 Vsin schon oberhalb der Spezifikationen von maximal +9 dBV) treten Arbeitspunktverschiebungen auf – in jeder der beiden Endstufenhälften (der Endstufe in Brückenschaltung) wird das zu große (positive oder negative) Eingangssignal nach Durchlaufen des oberen Maximums so zur Null hin verschoben, dass Teile der fallenden Flanke (Spannung zum Nullpunkt hin) des Eingangssignals mehr oder weniger sauber verstärkt werden können, die nächste steigende Flanke (Spannung vom Nullpunkt weg) aber umso steiler in Clipping fährt.
Festes Mastervolumen 50 %

Abb. 1.10: Schematische Darstellung der Messung „Festes Mastervolumen 50 %“ anhand des (vermuteten) Blockschaltplans des Hughes & Kettner ampman – Endstufe.
Anschließend wurde die obige Messreihe mit einem „mittig“ eingestellten Mastervolumenregler (und weiterhin deaktiviertem Solo-Boost) fortgesetzt. Die Eingangssignalpegel wurden nur soweit erhöht, dass die die Endstufe gerade in den kritischen Zustand kommt, HF-Artefakte zu erzeugen, und nur soweit verringert, dass die Endstufe erkennbar linear arbeitet.
Zunächst die Tabelle mit den gemessenen und berechneten Werten. Die Ausgangsspannung Spitze-Spitze (und damit auch der Crest-Faktor) für die größte Eingangssignalspannung uE = 2,2 V ist zu groß – hier hat die Oszilloskopen-Software die HF-Artefakte mit gemessen.
| uE [ V ] |
uA,sin [ V ] |
uA,pp [ V ] |
kS | Anmerkgn. |
|---|---|---|---|---|
| 0,51 | 6,8 | 19,3 | 1,46 | |
| 0,68 | 8,9 | 24,8 | 1,40 | |
| 0,89 | 10,9 | 29,3 | 1,34 | |
| 1,22 | 12,9 | 32,7 | 1,27 | |
| 1,6 | 14,4 | 34,9 | 1,21 | |
| 1,9 | 15,1 | 36 | 1,16 | |
| 2,2 | 15,5 | 37,2 | 1,20 | HF-Artefakte: uA & kS zu groß |
Bildertabelle 2.9: Übersteuerungsverhalten der Class-D-Endstufe; Messbedingungen: Messfrequenz 440 Hz, Solo-Boost aus, Mastervolumenregler 50 %, Eingangssignalpegel von 0,22 V bis 3 V.
uA+ und uA−
uA+ vs. uE
Vergleich festes Mastervolumen 50 % und 100 %
In diesem Unterkapitel erst einmal keine neuen Messungen, sondern der Vergleich der Ergebnisse der beiden letzten Messreihen mit festem Mastervolumen bei 100 % und bei 50 %. Spätestens dieser Vergleich sollte die Lage des Mastervolumenreglers klären:
Bildertabelle 2.10: Übersteuerungsverhalten der Endstufe; Messfrequenz 440 Hz, Solo-Boost aus, Mastervolumenregler 50 % oder 100 %.
uA+ und uA−
uA+ vs. uE
uE = 1,9 Vsin; uA,pp = 34,9 V; kS = 1,16
uE = 0,40 Vsin; uA,pp = 37,2 V; kS = 1,51
uE = 2,2 Vsin; uA,pp = 37,9 V; kS = 1,20
Die „weichere“ und leicht asymmetrische Begrenzung entsteht vor dem Mastervolumenregler. Das weich begrenzte Signal (Beispiel 1 und Beispiel 3 in obiger Bildertabelle 2.10) wird nach der Begrenzung auf einen Pegel gedämpft, bei dem die Begrenzung durch die Class-D-Endstufe noch nicht (Beispiel 1) oder gerade erst (Beispiel 3) einsetzt.
In den Messungen mit voll aufgedrehtem Mastervolumenregler ist das Signal vor der Begrenzung durch die Class-D-Endstufe kaum verzerrt.
Übersteuerung mit Solo-Boost und hohem Pegel
Eine weitere Messung, zur Untersuchung der Wirkung des Mastervolumenreglers bei maximalem Solo-Boost und hohem Endstufeneingangspegel (am FX-Return). Der Erkenntnisgewinn beschränkt sich auf zwei ungefähre Tatsachen:
-
Bei hohem Endstufeneingangspegel begrenzt der Hardclip in der Solo-Boost-Stufe, so stark, dass der Softclip dahinter (und vor dem Mastervolumenregler) nicht mehr zur Wirkung kommt.
-
Die „ideale“ Einstellung des Mastervolumenreglers, um HF-Artefakte zu vermeiden, liegt bei etwa 40 % (siehe die folgenden Messungen bei Einstellungen des Mastervolumenreglers von 35 % und 50 % sowie weiter oben die Messreihe Pegelabhängige Begrenzung ohne Solo-Boost)
| Master | uA,sin [ V ] |
uA,pp [ V ] |
kS | Anmerkgn. |
|---|---|---|---|---|
| 20 % | 12,2 | 28,6 | 1,17 | |
| 35 % | 16,2 | 37,2 | 1,15 | |
| 50 % | 17,9 | 39,0 | 1,09 | HF |
| 80 % | 19,1 | 39,8 | 1,04 | HF, Hardclip |
| 90 % | 19,2 | 39,8 | 1,04 | HF, Hardclip |
| 100 % | 17,8 | 39,8 | 1,12 | HF, Hardclip, AP-Drift |
Bildertabelle 2.11: Übersteuerung von Solo-Boost-Stufe und Endstufe in Abhängigkeit vom Mastervolumenregler. Eingangssignalspannung uE = 2,4 Veff. Komplexe Last.
uA+ und uA−
uA+ vs. uE
Messungen am XLR-Ausgang
Kapitelinhalt:[ Überspringen ]Am Ende wurden die Eigenschaften des XLR-Ausgangs untersucht – Pegel und Signalformen (Übersteuerung). Dazu wurde wieder ein Sinussignal unterschiedlichen Pegels in den FX-Return eingespeist und das Signal am XLR-Ausgang gemessen und gegebenenfalls Oszillogramme und Lissajous-Figuren aufgezeichnet.
Ohne Solo-Boost

Abb. 1.11: Schematische Darstellung der Messung „XLR-Ausgang ohne Solo-Boost“ anhand des (vermuteten) Blockschaltplans des Hughes & Kettner ampman – Endstufe.
Ist der Solo-Boost nicht aktiviert, ergibt sich – neben den gleichen Phasendreher wie über den Lautsprecherausgang – eine Verstärkung von etwa ein Halb (Line-Pegel) und eine Aussteuerungsgrenze von knapp zwei Volt (Sinus Effektivwert Sinus).
| uE | uA,mic | uA,line | Anmerkgn. |
|---|---|---|---|
| 0,51 V | 25 mVsin | 280 mVsin | |
| 0,68 V | 34 mVsin | 373 mVsin | |
| 0,89 V | 44 mVsin | 490 mVsin | |
| 1,22 V | 60 mVsin | 670 mVsin | |
| 1,6 V | 80 mVsin | 890 mVsin | |
| 2,2 V | 320 mVpp | 2,9 Vpp | clippt |
| 2,9 V | 330 mVpp | 2,9 Vpp | clippt |
Hier handelt es sich nicht um besonders „musikalische“ Verzerrungen, sondern um ein hartes Clipping, das besser zu vermeiden ist.
Dieses Clipping über den Solo-Boost scheint auch etwas härter zu sein als das über den Lautsprecherausgang gemessene, setzt aber bei einem vergleichbaren Eingangssignalpegel am FX-Return (etwa 1 V Effektivwert Sinus) ein – siehe dazu auch die entsprechenden Messungen in Tabelle 2.5 und Bildertabelle 2.7.
Bildertabelle 2.12: Messungen am XLR-Ausgang; Solo-Boost deaktiviert; Einspeisung am FX-Return; Mikrofon- oder Line-Pegel; Red Box ausgeschaltet.
uA+ und uA−
uA+ vs. uE
Mit Solo-Boost

Abb. 1.12: Schematische Darstellung der Messung „XLR-Ausgang mit Solo-Boost“ anhand des (vermuteten) Blockschaltplans des Hughes & Kettner ampman – Endstufe.
Mit der Aktivierung des Solo-Boosts erhöht sich die Verstärkung der Endstufe um maximal etwa zwei; der maximale verzerrungsfreie Eingangssignalpegel fällt auf etwa ein Volt (Effektivwert Sinus) – die Aussteuerungsgrenze hinter dem Solo-Boost von knapp 2,8 Volt bleibt.
| uE | uA,mic | uA,line | Anmerkgn. |
|---|---|---|---|
| 0,51 V | 54 mVsin | 600 mVsin | |
| 0,68 V | 73 mVsin | 800 mVsin | |
| 0,89 V | 259 mVpp | 2,89 Vpp | clippt leicht |
| 1,22 V | 264 mVpp | 2,94 Vpp | clippt |
| 1,6 V | 266 mVpp | 2,97 Vpp | clippt |
| 2,2 V | 268 mVpp | 2,99 Vpp | clippt |
| 2,9 V | 270 mVpp | 3,0 Vpp | clippt |
Bildertabelle 2.13: Messungen am XLR-Ausgang; Solo-Boost maximal; Einspeisung am FX-Return; Mikrofon- oder Line-Pegel; Red Box ausgeschaltet.
uA+ und uA−
uA+ vs. uE
Nachmessen mit Digitaloszilloskop
Beim Nachmessen des maximalen Ausgangsspannungshubs mit dem vorhandenen Messequipment des Autors (PC mit Soundkarte, Vorschaltgerät und Oszilloskopensoftware) wie auch mit einem älteren Digitaloszilloskop (CREATEC SC02) wurde auch hier in der konkreten Umsetzung bzw. Einstellung und Kalibrierung (über die Soundkarteneinstellung von Windows) ein Messfehler festgestellt – die hier im PC gemessenen Ausgangsspannungshübe sind etwa 10 % zu klein.
| Mastervolumen | uA+,sin [ V ] |
uA−,pp [ V ] |
|---|---|---|
| 100 % & Solo-Boost | 9,9 V | ≈22 V |
| 100 % | 9,2 V | ≈22 V |
| 50 % (kaum Verzerrungen) | 5,8 V | 15,5 V |
| ≈80 % (Keine HF-Artefakte) | 8,1 V | 20 V |
Die HF-Artefakte konnten auch nicht genauer untersucht werden – das Digitaloszilloskop arbeitete zwar bis in den MHz-Bereich, das Display war aber viel zu klein und viel zu grobpixelig – mehr als in den Abbildungen in Bildertabelle 2.2 konnte man da definitiv nicht erkennen.











































































































































































































































